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  • ChatGPT soll in Deutschland ab Ende August Werbung zeigen und wird zugleich persönlicher sowie menschlicher im Auftreten. Das betrifft vor allem Menschen, die den Dienst kostenlos nutzen, aber auch alle, die ChatGPT im Beruf, beim Lernen oder für private Fragen einsetzen. Die Veränderungen machen den Assistenten potenziell nützlicher, verwischen jedoch die Grenzen zwischen Hilfsmittel, Datensammler und Werbeumfeld.

    Was ändert sich durch Werbung?

    OpenAI testet seit Februar 2026 Werbung in ChatGPT in den USA. Danach kamen Kanada, Australien, Neuseeland, Grossbritannien, Japan, Südkorea, Mexiko und Brasilien hinzu. Laut der Meldung zum deutschen Werbestart folgen Ende August Deutschland, Frankreich, Irland und Singapur.

    OpenAI begründet das Werbegeschäft mit den hohen Kosten für neue Modelle, Rechenzentren und zusätzliche Rechenleistung. Das Unternehmen will bis 2030 einen Werbeumsatz von 100 Milliarden US-Dollar erreichen. In der Quelle zitierte Marktforschende zweifeln allerdings daran, dass dieses Ziel realistisch ist. Die Zahl ist damit ein Unternehmensziel und keine belastbare Umsatzprognose.

    Für dich verändert Werbung zunächst den Charakter des Dienstes. Eine Antwort steht künftig möglicherweise nicht mehr allein in einem neutral wirkenden Arbeitsbereich, sondern neben kommerziellen Botschaften. Die vorliegenden Quellen erklären nicht vollständig, wie Anzeigen in der Europäischen Union (EU) ausgewählt werden und ob eine werbefreie Nutzung nur über bestimmte Angebote möglich sein wird. Der im Titel der Leitmeldung genannte «Ausweg» wird im gelieferten Textausschnitt nicht näher beschrieben, weshalb sich daraus kein Preis oder konkretes Abonnement ableiten lässt.

    Hier entsteht zudem eine offene Spannung: OpenAI und Anthropic geben laut einer weiteren Quelle an, aus Nutzungsdaten keine Profile für Werbezwecke zu erstellen. Gleichzeitig baut OpenAI ein Werbegeschäft innerhalb von ChatGPT auf. Das ist nicht zwingend ein Widerspruch, weil Werbung auch ohne persönliches Profil angezeigt werden kann. Welche Trennung tatsächlich gilt, geht aus den vorliegenden Berichten aber nicht hervor.

    Welche neuen Daten können anfallen?

    Parallel zur Werbung erweitert OpenAI die Menge an Kontext, die ChatGPT berücksichtigen kann. Die macOS-Desktop-App erhält eine optionale Funktion namens Computer History, auf Deutsch etwa Computerverlauf. Sie erstellt aus deinen Aktivitäten eine Zeitleiste, auf die ChatGPT bei späteren Aufträgen zurückgreifen kann. Nach dem Bericht über den Computerverlauf werden dabei unter anderem Klicks, Tastatureingaben und andere Ereignisse erfasst.

    Die Funktion soll lernen, wie du arbeitest, Automatisierungen vorschlagen und angefangene Aufgaben wieder aufnehmen. In einer Demonstration suchte ChatGPT beispielsweise das zuletzt bearbeitete Dokument, prüfte über Slack, ob es mit anderen Personen geteilt worden war, und fasste den bisherigen Vormittag zusammen. Das ist im Berufsalltag praktisch: Du musst weniger rekonstruieren, wo eine Aufgabe liegen geblieben ist. Gleichzeitig entsteht eine detailliertere Darstellung deiner Arbeitsabläufe.

    Computer History ist laut Bericht freiwillig und muss eingeschaltet werden. Du kannst einzelne Apps und Websites ausschliessen sowie Einträge löschen. Inhalte in privaten oder Inkognito-Browserfenstern sollen nach Angaben eines OpenAI-Managers automatisch ignoriert werden. OpenAI erklärt ausserdem, dass keine Bilder, Videos oder Audiodateien aufgenommen würden; stattdessen erfasse die Funktion «Ereignisse». Diese Aussagen stammen vom Anbieter und wurden in den gelieferten Quellen nicht unabhängig geprüft.

    Der Unterschied zu einem normalen Chat ist erheblich. Bisher entsteht eine Datenspur vor allem durch das, was du bewusst eingibst oder hochlädst. Ein Computerverlauf kann zusätzlich abbilden, welche Programme und Seiten du verwendest, in welcher Reihenfolge du arbeitest und welche Aufgabe offen blieb. Mehr Kontext kann die Assistenz verbessern, bedeutet aber auch mehr Material, das du kontrollieren musst.

    Warum wird die Assistenz menschlicher?

    Die neue Sprachfunktion GPT Live verwendet Pausen und Füllwörter wie «Hmm», «ja» oder ein langsames «okay». Dadurch wirkt ein Gespräch weniger abgehackt als bei früheren Sprachmodi. Die Analyse der neuen Sprechweise ordnet diese Signale als Mittel ein, mit denen Gespräche vertrauter und menschlicher erscheinen.

    Diese Natürlichkeit kann die Bedienung erleichtern. Wenn du beim Kochen freihändig nach dem nächsten Schritt fragst oder auf dem Arbeitsweg eine Gliederung besprichst, sind flüssige Übergänge angenehmer als lange Pausen. Füllwörter vermitteln jedoch auch Nachdenken und Verständnis, obwohl das System kein menschliches Gegenüber ist. Sprachliche Wärme ist daher kein Beleg dafür, dass eine Antwort richtig, diskret oder empathisch verantwortbar ist.

    Die Quelle verweist auf das sogenannte Uncanny Valley, also das unangenehme Gefühl gegenüber künstlichen Figuren oder Stimmen, die fast, aber nicht vollständig menschlich wirken. Bei ChatGPT kann noch etwas anderes hinzukommen: Eine glaubwürdig klingende Stimme senkt möglicherweise die Hemmschwelle, Privates zu erzählen. Das wird besonders relevant, weil Chatbots bereits für sensible Themen verwendet werden.

    Eine in Deutschland durchgeführte Bitkom-Umfrage unter 1’003 Personen ab 16 Jahren ergab, dass 34 Prozent der befragten KI-Nutzenden Chatbots bei Gesundheitsfragen einsetzen. Zugleich sorgten sich 43 Prozent aller Befragten darum, dass persönliche Daten bei KI-Anbietern nicht sicher seien. Diese Werte beschreiben Einstellungen und Nutzung in Deutschland; sie belegen weder die Qualität medizinischer Antworten noch ein konkretes Datenleck.

    Pro und Kontra der persönlicheren Ausrichtung

    Pro:

    • Mehr Kontinuität – Ein Aktivitätsverlauf kann angefangene Aufgaben wiederfinden und dir das erneute Erklären des Kontexts ersparen.
    • Natürlichere Bedienung – Flüssigere Sprachdialoge können bei freihändiger Nutzung oder längeren Besprechungen angenehmer sein.
    • Konkrete Zeitersparnis – ChatGPT wird laut Nutzungsdaten häufig parallel zu Bildungsangeboten, Jobportalen und behördlichen Informationsseiten eingesetzt.
    • Grundlegende Kontrolle – Computer History ist gemäss Bericht freiwillig; Apps, Websites und einzelne Einträge lassen sich ausschliessen oder löschen.

    Kontra:

    • Grössere Datenspur – Neben Chattexten können Arbeitsabläufe, Klicks, Tastatureingaben und verwendete Dienste Teil des verfügbaren Kontexts werden.
    • Kommerzielle Einflüsse – Werbung schafft einen finanziellen Anreiz, Aufmerksamkeit innerhalb der Unterhaltung zu halten.
    • Trügerische Vertrautheit – Menschliche Pausen und Füllwörter können Kompetenz oder Verständnis vermitteln, das sprachlich erzeugt wird.
    • Unklare Trennung – Die Quellen beantworten nicht abschliessend, wie Werbeauswahl, Nutzungsdaten und Modelltraining voneinander abgegrenzt werden.

    Auch der versprochene Produktivitätsgewinn braucht Einordnung. Eine Auswertung realer Webnutzung untersuchte mehr als 200’000 US-Haushalte zwischen 2021 und 2024. Die Forschenden ordneten die ChatGPT-Nutzung überwiegend produktiven Aufgaben zu und berechneten dafür einen Produktivitätsgewinn von 76 bis 176 Prozent.

    Die gewonnene Zeit floss der Untersuchung zufolge jedoch fast vollständig in Angebote wie TikTok und Instagram. Ein konkretes Alltagsbeispiel ist die Unterstützung bei einer Steuererklärung: ChatGPT kann die Pflichtaufgabe beschleunigen, doch die freie Zeit wird dadurch nicht automatisch für ein weiteres sinnvolles Vorhaben genutzt. Die Studie betrifft US-Haushalte und einen Zeitraum vor den hier beschriebenen Funktionen; sie liefert deshalb Kontext zum Nutzungsverhalten, aber keinen Nachweis über die Folgen der neuen Werbung oder von Computer History.

    Was heisst das für deine Nutzung?

    Wenn du einsteigst, ist der sinnvollste erste Schritt eine Bestandsaufnahme deiner bisherigen Chats. Der Schweizer Anbieter Proton hat dafür AI Paper Trail vorgestellt, ein Werkzeug, das exportierte Unterhaltungen aus ChatGPT und Claude auswertet und zusammenfasst, was die Dienste daraus über dich erfahren haben könnten. Laut dem Praxistest von AI Paper Trail funktioniert es nur mit diesen beiden Chatbots.

    Schritt 1: ChatGPT-Daten exportieren

    1. Öffne in ChatGPT unten links dein Profil und danach die Einstellungen.
    2. Wähle «Datenkontrolle» und anschliessend unter «Daten exportieren» den Datenexport.
    3. Prüfe bei der späteren Auswertung besonders Chats zu Gesundheit, Arbeit, Finanzen und privaten Beziehungen, statt nur nach offensichtlichen Namen zu suchen.

    Schritt 2: Zusätzliche Aktivitätsdaten begrenzen

    1. Aktiviere Computer History nur, wenn die Wiederaufnahme von Aufgaben den zusätzlichen Einblick in deinen Arbeitsablauf rechtfertigt.
    2. Schliesse Apps und Websites aus, in denen du sensible persönliche oder berufliche Informationen bearbeitest.
    3. Lösche einzelne Verlaufseinträge, wenn sie für künftige Aufgaben keinen Nutzen mehr haben.

    Als fortgeschrittene Nutzerin oder fortgeschrittener Nutzer kannst du den Kontext gezielt nach Aufgabe trennen. Für ein Arbeitsprojekt kann ein begrenzter Aktivitätsverlauf nützlich sein, während Gesundheitsfragen oder private Gespräche nicht denselben Datenraum benötigen. Prüfe ausserdem getrennt, welche Einstellungen für Verlauf, Datenexport und Modelltraining gelten; die Quellen weisen darauf hin, dass Nutzungsdaten je nach Einstellungen für das Training verwendet werden können.

    Für die Schweiz bleiben wesentliche Punkte offen. Die Berichte nennen Deutschland und mehrere weitere Länder für den Werbestart, machen aber keine Aussage zur Verfügbarkeit von Werbung oder Computer History in der Schweiz. Ein direkter Schweiz-Bezug besteht durch Proton als Anbieter von AI Paper Trail. Angaben zu unterstützten Sprachen oder zu besonderen Schweizer Datenschutzbedingungen enthalten die Quellen nicht.

    ChatGPT wird mit mehr Kontext und natürlicherer Sprache bequemer, während Werbung eine zusätzliche kommerzielle Ebene einführt. Die neuen Kontrollen sind nützlich, ersetzen aber nicht die Entscheidung, welche Informationen überhaupt in einen Chat oder Aktivitätsverlauf gehören. Das offene Risiko liegt weniger in einem einzelnen «Hmm» oder einer einzelnen Anzeige als in der schwer sichtbaren Verbindung aus Vertrautheit, Datenspur und wirtschaftlichem Interesse.

    Quellen

    AI-FunghiAI-Funghi

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