ChatGPT Images 2.5 und neue Videowerkzeuge von Adobe machen das Erzeugen und Bearbeiten von Medien deutlich zugänglicher. Künstliche Intelligenz (KI) kann inzwischen einer groben Skizze folgen, einzelne Bildbereiche verändern und fehlende Video- oder Tonsequenzen direkt im Schnittprogramm ergänzen. Das betrifft dich sowohl bei privaten Bildern als auch bei Präsentationen, Werbung und Onlinehandel, wirft aber neue Fragen zur Kennzeichnung und zum Missbrauch realer Fotos auf.
Was die neuen Werkzeuge können
OpenAI hat ChatGPT Images 2.5 mit besserer Befolgung von Anweisungen über mehrere Bearbeitungsschritte hinweg vorgestellt. Laut Anbieter arbeitet das System schneller und bewahrt Personen oder Gegenstände aus Referenzfotos zuverlässiger. OpenAIs Bildmodelle seien bereits für mehr als drei Milliarden Bilder in ChatGPT Images und über die Programmierschnittstelle eingesetzt worden, wie Simon Willison zur neuen Version berichtet.
Generative KI, also Software, die auf Anweisung neue Inhalte erzeugt, wird damit weniger zu einem Werkzeug für einmalige Bilder und stärker zu einer interaktiven Bearbeitung. Du kannst beispielsweise zuerst eine Szene erstellen, danach eine Figur korrigieren und anschliessend Details ergänzen. Entscheidend ist nicht nur die Qualität des ersten Ergebnisses, sondern ob das Werkzeug über mehrere Runden versteht, was gleich bleiben und was sich ändern soll.
Die neue Sketch-Funktion senkt die Einstiegshürde zusätzlich. Nach der Eingabe von @Sketch öffnet ChatGPT ein Zeichenfeld, in dem du eine grobe Vorlage zeichnen kannst. In einem Test von The Verge wurde aus einer mit der Maus gezeichneten Katze ein realistisches Katzenfoto; ein Kommentar direkt an den Augen änderte deren Farbe von Blau zu Grün.
OpenAI verspricht ausserdem natürlichere Beleuchtung, reichere Texturen und eine um bis zu 50 Prozent geringere Wartezeit gegenüber Images 2.0. Diese Leistungsangaben stammen vom Anbieter und sind in den gelieferten Quellen nicht unabhängig geprüft. ChatGPT Images 2.5 ist laut OpenAI auf Desktop, Mobilgeräten und im Web für ChatGPT, ChatGPT Work und Codex verfügbar.
Warum Bearbeitung einfacher wird
Bei Videos liegt der Fortschritt weniger in einem völlig neuen Generator als in dessen Platzierung. Adobe integriert sein Werkzeug Generative Media direkt in die Zeitleiste von Premiere. Eine Zeitleiste ist die Arbeitsansicht, in der Bild- und Tonspuren eines Videos zeitlich angeordnet werden.
Fehlt in einem Projekt eine kurze Zwischensequenz, kannst du laut dem Bericht über Adobes Premiere-Neuerungen die Lücke markieren und dort einen passenden, weiter bearbeitbaren Clip erzeugen. Solche Zwischensequenzen werden häufig B-Roll genannt und zeigen ergänzende Motive, während etwa ein Gespräch oder eine Erklärung läuft. Statt zwischen Schnittprogramm, Browser und mehreren Diensten zu wechseln, bleibt die Arbeit im Projekt.
Premiere lässt dabei verschiedene KI-Modelle auswählen, also Systeme mit unterschiedlichen Stärken und Bildstilen. Genannt werden Adobe Firefly, Google Veo, Runway, Luma und Kling. Das ist für erfahrene Anwenderinnen und Anwender nützlich, macht die Auswahl aber nicht automatisch einfach: Mehr Modelle bedeuten auch mehr Ergebnisse, die auf Stil, Anschlussfehler und Glaubwürdigkeit geprüft werden müssen.
Adobe ergänzt zudem Audiowerkzeuge in einer Testphase. Sie sollen überlappende Stimmen trennen, Musik während gesprochener Passagen automatisch leiser regeln sowie Dialog und Umgebungsgeräusche getrennt anpassen. In After Effects soll ein ebenfalls noch getesteter Assistent Projekte über normale Sprache neu ordnen, technische Probleme beheben und Effekte erstellen.
Pro und Kontra der KI-Medien
Pro:
- Niedrige Einstiegshürde – Eine einfache Skizze kann als visuelle Anweisung dienen, auch wenn du nicht präzise zeichnen kannst.
- Gezielte Korrekturen – Kommentare an einzelnen Bildbereichen erleichtern Änderungen, ohne das gesamte Motiv neu beschreiben zu müssen.
- Kürzere Arbeitswege – Video, Musik, Geräusche und Zwischensequenzen lassen sich direkt innerhalb eines Schnittprojekts erzeugen.
- Geringere Produktionskosten – Im Onlinehandel können KI-Bilder laut Unternehmensangaben klassische Fotoshootings teilweise wesentlich günstiger ersetzen.
Kontra:
- Ungeprüfte Versprechen – Aussagen zu Geschwindigkeit, Qualität und Kostenvorteilen stammen teilweise von den Anbietern selbst.
- Schwächere Beweiskraft – Realistisch wirkende Bilder und Videos lassen nicht mehr zuverlässig erkennen, ob eine dargestellte Situation stattgefunden hat.
- Vertrauensverlust durch Labels – Eine Kennzeichnung kann die Wahrnehmung eines Produkts verschlechtern, sogar wenn das Bild gar nicht mit KI erzeugt wurde.
- Schwerer Missbrauch – Reale Fotos können ohne Zustimmung sexualisiert, manipuliert und als täuschend echte Videos verbreitet werden.
Konkrete Kosten für ChatGPT Images 2.5 oder die neuen Adobe-Funktionen nennen die Quellen nicht. Einen Anhaltspunkt aus dem professionellen Onlinehandel liefert About You: Das Unternehmen beziffert die Produktionskosten je Artikel mit seinem KI-basierten Fotostudio auf rund einen Euro statt zuvor 70 bis 80 Euro für ein klassisches Fotoshooting. Diese Zahlen gelten für den beschriebenen Unternehmensprozess und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Nutzerinnen und Nutzer übertragen.
About You meldet ausserdem einen um 9,2 Prozent höheren Bruttowarenwert und eine um 5,1 Prozent höhere Rate beim Hinzufügen zum Warenkorb gegenüber klassischen Bildern. Auch das sind Unternehmensangaben, keine allgemeine Garantie für KI-Produktfotos. Die Werte zeigen dennoch, weshalb der Handel trotz möglicher Vertrauensprobleme stark an dieser Technik interessiert ist.
Was Kennzeichnung und Missbrauch bedeuten
Seit dem 2. August 2026 gelten laut der Analyse zu KI-Bildern im Onlinehandel Transparenzpflichten aus Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, dem sogenannten EU AI Act. Sie betreffen bestimmte KI-generierte oder mit KI manipulierte Inhalte. Die vorliegenden Quellen enthalten jedoch keine vollständige juristische Abgrenzung, wann ein einzelnes Bild gekennzeichnet werden muss.
Transparenz kann zugleich einen messbaren Nachteil haben. Eine im Beitrag beschriebene experimentelle Studie kam zum Ergebnis, dass ein KI-Label die Wahrnehmung eines Produkts verschlechterte, selbst wenn das betreffende Foto tatsächlich von einem Menschen stammte. Das widerspricht nicht dem Nutzen von Kennzeichnung, zeigt aber, dass ein Label von Kundinnen und Kunden auch als Warnsignal für geringe Qualität oder fehlende Echtheit gelesen werden kann.
Noch ernster ist die Manipulation realer Menschen ohne Zustimmung. Ars Technica berichtet über Ermittlungen des Tech Transparency Project, das 332 Werbeanzeigen mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs auf Facebook und Instagram entdeckt haben will. Mehrere Anzeigen verwendeten demnach echte Fotos von Mädchen und veränderten sie mit sogenannten Nudify-Apps, die bekleidete Personen künstlich sexualisieren.
Meta hatte nach einer früheren Meldung von 53 Anzeigen erklärt, neue Erkennungssysteme eingeführt zu haben. Das Tech Transparency Project fand laut Bericht danach dennoch Hunderte weitere Anzeigen, während Meta teilweise Tage für deren Entfernung benötigte. Hier stehen also die angekündigten Schutzmassnahmen der Plattform und die dokumentierten Funde in deutlichem Widerspruch.
Für dich folgt daraus eine einfache Trennung: Kreative KI-Bilder sind nicht automatisch problematisch, doch ein realistisches Bild ist kein Beleg mehr für ein reales Ereignis. Besonders bei Bildern von Menschen solltest du auf Herkunft, Zustimmung und Kontext achten. Ein überzeugendes Gesicht oder eine vertraute Umgebung sagt wenig darüber aus, ob Aufnahme, Handlung oder abgebildete Person echt sind.
Was das für dich heisst
Wenn du einsteigst, beginne mit einer unkritischen eigenen Skizze oder einem Bild, an dem du die nötigen Rechte hast. Formuliere zuerst Motiv und Stil, ändere danach nur einen klar benannten Bereich und vergleiche das Ergebnis mit der Vorlage. Die Katzenzeichnung aus dem Test zeigt den praktischen Nutzen: Eine grobe räumliche Idee kann hilfreicher sein als ein langer Text, und ein lokaler Kommentar reicht für eine kleine Farbkorrektur.
Wenn du fortgeschritten bist, lohnt sich ein Bearbeitungsablauf mit mehreren kontrollierten Versionen. Prüfe nach jeder Runde, ob Personen, Produkte, Schriften und Hintergrunddetails unbeabsichtigt verändert wurden. Bei Videos kannst du generierte B-Roll oder Tonflächen direkt in die Zeitleiste einsetzen, solltest sie aber auf Anschluss, Lautstärke und sachliche Richtigkeit gegen das übrige Material prüfen.
Für berufliche Veröffentlichungen solltest du intern festhalten, welche Bestandteile erzeugt oder verändert wurden, auch wenn die endgültige Kennzeichnung vom konkreten Einsatz abhängt. Das erleichtert spätere Korrekturen und verhindert, dass ein synthetisches Produktbild oder eine ergänzte Szene versehentlich als dokumentarische Aufnahme behandelt wird. Bei Fotos realer Personen ist deren Zustimmung eine praktische Mindestanforderung, unabhängig davon, wie leicht ein Werkzeug die Veränderung macht.
Für die Schweiz nennen die Quellen weder besondere Preise noch eine eigene Sprach- oder Länderverfügbarkeit. ChatGPT Images 2.5 wird allgemein für Web, Desktop und Mobilgeräte aufgeführt, während die genannten Transparenzpflichten aus der EU-KI-Verordnung stammen. Schweizer Nutzerinnen, Nutzer und Unternehmen sollten die EU-Regeln deshalb nicht automatisch mit einer schweizerischen Regelung gleichsetzen; zugleich können sie im grenzüberschreitenden Onlinehandel relevant werden, wobei die Quellen keine abschliessende rechtliche Einordnung liefern.
Die neuen Werkzeuge sparen vor allem Reibung: Eine Skizze ersetzt einen Teil der Beschreibung, und eine Lücke im Videoschnitt wird zum Ausgangspunkt für einen neuen Clip. Der Nutzen ist greifbar, doch die gleiche einfache Bearbeitung senkt auch die Schwelle für Täuschung und Übergriffe. Offen bleibt, ob Kennzeichnung und Plattformkontrollen mit der wachsenden Menge realistischer KI-Medien Schritt halten, ohne legitime Inhalte pauschal abzuwerten.
Quellen
- Introducing ChatGPT Images 2.5 – Simon Willison’s Weblog, 2026-09-08
- ChatGPT Sketch turns your bad drawings into detailed AI images – The Verge, 2026-09-08
- Adobe is trying to make its AI generators idiot-proof in Premiere – The Verge, 2026-09-08
- Transparenz als Conversion-Killer? Wie Online-Händler KI-Bilder richtig kennzeichnen – t3n, 2026-09-08
- “This is the AI men actually use”: Meta ads pushed apps nudifying real teens – Ars Technica, 2026-09-08


Bild: George Milton via Pexels
