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  • OpenAI Dots, Meta Muse, Gemini Live und Shopify Canvas bringen Künstliche Intelligenz (KI) aus dem Chatfenster in Software, Kameras, Onlineshops und vernetzte Geräte. Betroffen sind damit nicht mehr nur Menschen, die Texte generieren, sondern auch Einkaufende, Personen mit Sehbehinderung, kleine Unternehmen und Nutzerinnen und Nutzer von Smart-Home-Geräten. Die neuen Angebote zeigen zugleich, dass ein KI-Agent – eine Software, die Aufgaben teilweise selbstständig ausführt – sehr unterschiedliche Formen annehmen kann.

    Vom Chat zur ausführenden KI

    OpenAIs Dots bildet den auffälligsten Schritt in Richtung eines allgemeinen Arbeitsagenten. Du sprichst mit deinem Dot in einem Fenster und kannst in einem zweiten verfolgen, wie er auf einer virtuellen Maschine arbeitet, also einem vom eigenen Gerät getrennten Computer in Softwareform. Laut einem Praxistest von Dots kann der Agent unter anderem Anwendungen wie die 3D-Software Blender und das Bildbearbeitungsprogramm GIMP bedienen, auf Wunsch auf den eigenen Computer zugreifen und Gespräche per Anruf führen.

    Damit zielt Dots stärker auf berufliche Abläufe als auf gelegentliche Einkaufshilfe. Ein Dot könnte beispielsweise eine Aufgabe in einer Kreativsoftware bearbeiten und dir gleichzeitig den Fortschritt zeigen. Derselbe Agent kann aber auch Essen bestellen, was die Grenze zwischen Bürohilfe und Alltagsassistent verwischt. Mehrere Dots sind angekündigt, gegenwärtig erhältst du laut Bericht jedoch nur einen.

    Der Zugang ist die erste deutliche Einschränkung. Dots steht zunächst den höchsten kostenpflichtigen Konten zur Verfügung, darunter dem Pro-Abonnement für 100 US-Dollar pro Monat. Meta Muse verfolgt dagegen einen kostenlosen Ansatz: Laut dem Vergleich von Muse und Dots können Menschen mit einem Meta-Konto Muse nutzen und erhalten dafür eine eigene virtuelle Maschine. Ob die kostenlosen Bedingungen dauerhaft bestehen bleiben, geht aus den Meldungen nicht hervor.

    Vier Wege in den Alltag

    Meta will Muse nicht auf den Browser oder eine einzelne App beschränken. Das Open-Source-Projekt Muse Gadgets stellt Firmware – die grundlegende Gerätesoftware – und ein Software Development Kit (SDK), also einen Werkzeugkasten für die Anbindung von Software, bereit. Gedacht ist das vor allem für technisch versierte Bastlerinnen und Bastler, die Muse etwa mit einem farbigen E-Ink-Display, einem HDMI-Stick für den Fernseher oder einem Kleincomputer wie dem Raspberry Pi verbinden möchten.

    Meta hat ausserdem 5000 Exemplare eines USB-C-Geräts namens Home Link hergestellt und will sie nach eigenen Angaben kostenlos an Muse-Abonnenten verteilen, solange der Vorrat reicht. Home Link verbindet Muse mit dem Heimnetz und kann über von der Gemeinschaft entwickelte Fähigkeiten beispielsweise ein Licht einschalten, einen Fernseher steuern oder ein Dokument an einen Drucker senden. Meta warnt bei selbst gebauten Geräten allerdings ausdrücklich vor der Nutzung auf eigenes Risiko. Der Bericht über Muse Gadgets und Home Link macht damit auch deutlich, dass Offenheit nicht automatisch Alltagstauglichkeit bedeutet.

    Eine andere Richtung verfolgt Google mit Guided Vision in Gemini Live. Auf kompatiblen Android-Geräten liefert die Funktion gesprochene Beschreibungen dessen, worauf du die Kamera richtest. Sie kann kleinen Text vorlesen, Gegenstände finden oder erkennen und Details beschreiben. Ein konkretes Alltagsbeispiel: Du kannst ein Produkt suchen lassen und anschliessend nach dem aufgedruckten Ablaufdatum fragen. Audiogeräusche helfen dabei, die Kamera passend auszurichten.

    Guided Vision richtet sich besonders an blinde Menschen und Personen mit eingeschränktem Sehvermögen. Die Funktion ist auch über Googles Bedienungshilfe TalkBack verfügbar; auf Geräten ab Android 9 lässt sie sich laut Bericht als Bedienungshilfe-Verknüpfung einrichten. Google warnt jedoch davor, die Funktion für Navigation, sichere Wegführung oder Hinderniserkennung zu verwenden. Sie ersetzt weder einen Blindenstock noch eine andere Mobilitätshilfe.

    In der Schweiz wird der Übergang von der App zum getragenen Gerät bereits sichtbar. Sunrise hat verschiedene Meta AI Glasses ins Sortiment aufgenommen und will Vorführgeräte in ausgewählten Shops bereitstellen, wobei dies laut Mitteilung einige Wochen dauern kann. Genannt werden unter anderem die Meta Adventurer ab 269 Franken und die Meta Fury für 269 Franken. Die Einführung der Smartbrillen bei Sunrise bringt jedoch eine bekannte offene Frage mit: Geräte, die in der Öffentlichkeit Video aufnehmen können, bleiben umstritten.

    Einkaufen und Verkaufen per Gespräch

    Beim Einkaufen setzt OpenAI auf eine visuelle Hilfe statt auf einen vollständig selbstständigen Kauf. Mit der virtuellen Anprobe in ChatGPT kannst du ein Selfie oder ein Ganzkörperfoto hochladen und dir darstellen lassen, wie ein Kleidungsstück oder Accessoire an dir aussehen könnte. Alternativ kannst du einen Bildschirmabzug eines Produkts hochladen. Eine Favoritenfunktion speichert gefundene Produkte und die erzeugten Anprobebilder in einer Bibliothek.

    Als Berufs- oder Alltagsbeispiel kannst du einen gewünschten Kleidungsstil beschreiben und ChatGPT nach passenden Einzelteilen suchen lassen. Du kannst auch ein Foto eines Outfits hochladen und nach käuflichen, ähnlichen Artikeln fragen. OpenAI führt die Funktion nach eigenen Angaben weltweit ein und verwendet dafür sein Bildmodell ChatGPT Images 2.5. Die Behauptungen zu natürlicherem Licht, besseren Texturen und kürzerer Erzeugungszeit stammen vom Anbieter und sind in den gelieferten Quellen nicht unabhängig geprüft.

    Die Vorgeschichte mahnt zur Zurückhaltung. OpenAI musste eine frühere Idee für einen Sofortkauf ändern, nachdem sie nicht gut funktioniert hatte. Bei einem anderen Anbieter wurden ungefragt ausgespielte Produktempfehlungen zudem teilweise eher als Werbung denn als Hilfe wahrgenommen. Eine überzeugende Visualisierung sagt ohnehin nichts darüber aus, ob Grösse, Material oder Schnitt in der Realität passen.

    Shopify Canvas setzt auf der anderen Seite des Einkaufs an. Händlerinnen und Händler beschreiben dem KI-Agenten Sidekick im Chat, wie ihr Onlineshop aussehen soll, während Canvas die Änderungen in Echtzeit darstellt. Laut Shopify handelt es sich nicht nur um ein unbewegliches Vorschaubild, sondern um den tatsächlich gerenderten Shop. Dadurch lassen sich Interaktionen, Animationen und verschiedene Bildschirmgrössen prüfen; einzelne Elemente können weiterhin direkt bearbeitet werden.

    Das konkrete Berufsbeispiel ist ein kleines Geschäft, das seinen Shop umgestalten will, ohne für jede Anpassung Code zu bearbeiten oder sofort eine Entwicklerin oder einen Entwickler beizuziehen. Sidekick greift laut Anbieter direkt auf die Dateien des Shop-Designs zu und erstellt Bildschirmaufnahmen, damit der Agent denselben Stand sieht wie der Mensch. Canvas bündelt damit frühere Sidekick-Funktionen wie Code-, App- und Designänderungen in einer Gesamtansicht.

    Pro und Kontra der Alltags- und Shopping-Agenten

    Pro:

    • Konkrete Handlungen – Dots und Muse beschränken sich nicht auf Antworten, sondern können Software und verbundene Geräte bedienen.
    • Bessere Zugänglichkeit – Guided Vision kann kleinen Text vorlesen, Gegenstände beschreiben und Rückfragen zu Kamerabildern beantworten.
    • Anschaulicheres Einkaufen – Die virtuelle Anprobe hilft dir, Produkte vor dem Speichern oder Kauf visuell einzuordnen.
    • Niedrigere Einstiegshürde – Canvas erlaubt es Händlerinnen und Händlern, einen Shop im Gespräch zu verändern und das Ergebnis sofort zu prüfen.

    Kontra:

    • Hohe oder unklare Kosten – Dots setzt zunächst ein Konto ab 100 US-Dollar pro Monat voraus, während die langfristigen Bedingungen kostenloser Angebote offenbleiben.
    • Fehler mit realen Folgen – Eine falsche Produktwahl, Geräteaktion oder Bildbeschreibung ist problematischer als eine missglückte Chatantwort.
    • Datenschutz und Beobachtung – Fotos, Kamerabilder, Shopdaten und Aufnahmen durch Smartbrillen können sensible Informationen enthalten; die Quellen liefern dazu keine vollständige Bewertung für die Schweiz.
    • Begrenzte Verlässlichkeit – Google schliesst sicherheitskritische Navigation ausdrücklich aus, und Meta weist bei Eigenbau-Geräten auf das eigene Risiko hin.

    Was das für dich heisst

    Für Einsteigerinnen und Einsteiger: Wähle als ersten Schritt eine begrenzte Aufgabe, deren Ergebnis du leicht kontrollieren kannst. Du könntest Guided Vision kleinen Text vorlesen lassen oder mit ChatGPT ein Kleidungsstück virtuell anprobieren, ohne direkt einen Kauf auszulösen. Prüfe anschliessend das Ablaufdatum beziehungsweise die Produktangaben selbst und lade keine Bilder hoch, die unnötige persönliche Informationen zeigen.

    Für Fortgeschrittene: Mehr Nutzen entsteht, wenn du den Agenten in einen klar abgegrenzten Arbeitsablauf einbindest und Zwischenergebnisse kontrollierst. Bei Canvas bedeutet das, Shopseiten auf mehreren Bildschirmgrössen zu testen und interaktive Elemente selbst durchzugehen. Bei Dots solltest du beobachten, welche Programme der Agent verwendet und welchen Zugriff auf deinen Computer du tatsächlich benötigst.

    Muse Gadgets richtet sich trotz der freundlichen Figuren vorerst eher an Menschen mit technischer Erfahrung. Die beiden Berichte zu Metas Hardware nennen Bastelplatinen, Firmware und ein SDK; das ist keine typische Einrichtung für ein Konsumgerät. Für die meisten Nutzerinnen und Nutzer ist ein fertiges Produkt wie Home Link oder eine im Handel erhältliche Smartbrille zugänglicher, allerdings bleiben Verfügbarkeit, unterstützte Sprachen und genaue Datenschutzbedingungen in den Quellen teilweise offen.

    Die vier Ansätze zeigen einen echten Funktionswechsel: KI beschreibt nicht mehr nur, was du tun könntest, sondern greift auf Software, Kamera, Produkte und Geräte zu. Der praktische Nutzen ist bei klaren, überprüfbaren Aufgaben bereits erkennbar, während Preise, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit stark auseinandergehen. Das offene Risiko liegt darin, dass ein bequem wirkender Agent mehr Daten und Handlungsspielraum erhält, als für die jeweilige Aufgabe nötig wäre.

    Quellen

    AI-FunghiAI-Funghi

    Bild: Helena Lopes via Pexels

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