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  • Google erweitert Gemini von einem Chatbot zu einem Arbeitsagenten, der Aufgaben plant und über mehrere Programme hinweg ausführt. Gleichzeitig erprobt das Unternehmen mit Google AI Edge Foresight einen Meeting-Notiznehmer, der Gespräche vollständig auf dem eigenen Mac verarbeitet. Für dich sind beide Entwicklungen relevant, weil sie zwei gegensätzliche Wege der Künstlichen Intelligenz (KI) zeigen: einen weit vernetzten Dienst in der Cloud und ein lokales Werkzeug, das ohne Internetverbindung auskommt.

    Vom Chatbot zum Arbeitsagenten

    Ein KI-Agent ist ein System, das nicht nur Fragen beantwortet, sondern ein Ziel in einzelne Arbeitsschritte zerlegt und dafür Programme oder Datenquellen nutzt. Der neue Gemini-Agent soll laut Google über eine zentrale Oberfläche erreichbar sein und im Hintergrund Aufgaben ausführen. Er startet zunächst innerhalb von Gemini Enterprise, Googles Angebot für Unternehmen, und befindet sich in einer privaten Vorschau mit begrenztem Teilnehmerkreis.

    Der Agent arbeitet direkt mit Gmail, Drive, Docs, Sheets und Calendar. Darüber hinaus kann er laut der Leitmeldung von The Verge unter anderem Microsoft 365 und Slack einbeziehen. Weil der Dienst in der Cloud läuft, also auf entfernten Rechenzentren statt nur auf deinem Gerät, behält er seinen Arbeitskontext über Mobiltelefon, Computer und Webbrowser hinweg.

    Google beschreibt den Agenten als zentrale Anlaufstelle für Wissensarbeit, Medienerstellung sowie das Schreiben und Ausführen von Programmcode. Eine Kurzfassung von MarkTechPost hebt hervor, dass dies über ein einziges Eingabefeld geschehen soll. Für normale Anwenderinnen und Anwender ist dabei weniger die technische Schnittstelle entscheidend als die Idee, verschiedene Aufgaben nicht mehr in mehreren getrennten KI-Werkzeugen anzustossen.

    Der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Chatbot liegt im Auftrag. Du sollst dem Agenten ein Ziel geben können, statt jeden Arbeitsschritt einzeln vorzugeben. Gemini plant dann den Ablauf, greift auf verbundene Systeme zu und wählt laut Google automatisch ein geeignetes KI-Modell; alternativ können Nutzende ein Modell selbst bestimmen, zunächst einschliesslich Claude von Anthropic.

    Was im Arbeitsalltag konkret möglich wird

    Zu den von Google genannten Aufgaben gehören das Planen von Besprechungen sowie das Buchen von Terminen und Reisen. Ein konkretes Berufsbeispiel ist damit eine Terminplanung, bei der der Agent Kalender, Zeitzonen und notwendige Freigaben berücksichtigt. Statt nur eine passende Uhrzeit vorzuschlagen, soll er die Aufgabe im Namen der nutzenden Person ausführen können.

    Für umfangreichere Aufträge lassen sich Dateien, Ordner und arbeitsbezogene Projekte anhängen. Der Agent kann sich ausserdem mit Google Workspace, Microsoft 365, Slack, Jira, Confluence und verschiedenen betrieblichen Datensystemen verbinden. Damit könnte ein Team beispielsweise vorhandene Projektdateien und interne Informationen für eine Aufgabe bereitstellen, ohne jede relevante Passage einzeln in den Chat zu kopieren.

    Gemini darf dabei spezialisierte Unteragenten einsetzen. Das sind auf Teilaufgaben ausgerichtete KI-Helfer, an die der Hauptagent einzelne Arbeitsschritte delegiert. In einem Aufgaben-Postfach sollen Nutzende sehen können, welche Arbeitsschritte laufen, welche Fähigkeiten geladen werden und wie weit der Auftrag fortgeschritten ist.

    Besonders weit geht die Idee eines digitalen Mitarbeitenden mit eigener Workspace-Identität. Der Agent kann eine eigene E-Mail-Adresse erhalten, per Markierung oder Nachricht angesprochen und zu Gruppenchats hinzugefügt werden. Seine Aktionen werden laut Google in einem Prüfprotokoll festgehalten, also einer nachvollziehbaren Aufzeichnung, die Handlungen dem Agenten statt einer Person zuordnet.

    TechCrunch berichtet, dass Gemini mehr als eine Milliarde monatlich aktive Nutzende hat und fast 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen Gemini Enterprise einsetzen. Diese Angaben stammen von Google und sind in den gelieferten Quellen nicht unabhängig geprüft. Der Konzern will zuerst Unternehmen bedienen und Fragen zu Sicherheit, Leistung und grossem Einsatzumfang klären, bevor eine breitere Verbraucherversion folgt.

    Lokale Notizen halten Daten auf dem Gerät

    Google AI Edge Foresight verfolgt einen deutlich anderen Ansatz. Die experimentelle und kostenlos nutzbare Mac-App transkribiert Besprechungen und Audiodateien vollständig offline. Ein geräteinternes Modell, also eine KI, die direkt auf dem Computer statt in der Cloud läuft, verarbeitet nach Angaben des Unternehmens Audio, Notizen und verbundene Dateien, ohne sie vom Gerät zu übertragen.

    Die App zeigt handschriftlich eingegebene Kurznotizen und von der KI ausgearbeitete Notizen nebeneinander. Während einer Besprechung kannst du knappe Stichpunkte erfassen; Foresight ergänzt sie anschliessend anhand des Transkripts zu ausformulierten Notizen. Ein eingebauter Assistent beantwortet zudem Fragen zum Gespräch und kann lokale Dateien als zusätzliche Wissensgrundlage verwenden.

    Ein naheliegendes Alltagsbeispiel ist ein persönliches oder berufliches Treffen an einem Ort ohne stabile Internetverbindung. Foresight kann das Gespräch trotzdem transkribieren, und du kannst die Notizen später auf einer Reise ohne Netz durchsuchen. Die Beschreibung der Offline-Verarbeitung stützt sich allerdings auf Angaben von Google; eine unabhängige technische Prüfung wird in den Quellen nicht genannt.

    Unterstützt werden neben Gesprächsnotizen unter anderem PDF-Dateien, Google Docs, Microsoft-Office-Formate, Klartext, Markdown und gespeicherte Webverweise. Daraus lässt sich eine lokale Wissenssammlung bilden, die der Assistent bei Antworten berücksichtigt. Laut TechCrunchs Bericht zu Foresight nutzt die Transkription EmbeddingGemma 2 mit 740 Millionen Parametern, während ein Gemma-4-basierter Assistent Fragen beantwortet.

    Die Einschränkung ist deutlich: Foresight ist derzeit für Macs mit Apple Silicon optimiert. Die Quellen nennen weder eine Windows-Version noch Angaben zu unterstützten Sprachen, Schweizer Verfügbarkeit oder Transkriptionsqualität bei verschiedenen Dialekten. Für die Schweiz ist die lokale Verarbeitung grundsätzlich interessant, doch Aussagen zur Qualität von Schweizerdeutsch oder zu konkreten Datenschutzanforderungen wären ohne weitere Angaben spekulativ.

    Pro und Kontra der neuen Gemini-Werkzeuge

    Pro:

    • Weniger Programmwechsel – Der Arbeitsagent bündelt Aufgaben aus Google Workspace, Microsoft 365, Slack und weiteren Systemen in einer Oberfläche.
    • Ausführung statt Antwort – Gemini soll Ziele planen, Teilaufgaben delegieren und Aktionen wie Terminplanung tatsächlich erledigen.
    • Nachvollziehbare Arbeit – Ein Aufgaben-Postfach und ein Prüfprotokoll sollen Fortschritt und Handlungen des Agenten sichtbar machen.
    • Lokale Privatsphäre – Foresight verarbeitet laut Google Gesprächsdaten und Dateien offline auf dem Mac, statt sie in die Cloud zu senden.

    Kontra:

    • Begrenzter Zugang – Der Arbeitsagent ist vorerst nur für Unternehmenskunden in einer privaten Vorschau verfügbar; einen Preis nennen die Quellen nicht.
    • Breite Datenzugriffe – Ein Agent mit Kalendern, E-Mails, Dateien und internen Systemen erhält viel Kontext, wodurch Zugriffsrechte und Kontrolle besonders relevant werden.
    • Ungeprüfte Zuverlässigkeit – Die Berichte liefern keine unabhängigen Tests dazu, wie zuverlässig der Agent komplexe Aufträge ausführt oder Foresight Gespräche transkribiert.
    • Schmale Geräteauswahl – Der lokale Notiznehmer ist auf Apple-Silicon-Macs ausgerichtet und damit kein allgemein verfügbares Werkzeug für alle Arbeitsplätze.

    Was das für dich heisst

    Wenn du einsteigst, ist Foresight das überschaubarere Konzept: Eine App erfüllt einen klar begrenzten Zweck und hält die Verarbeitung laut Anbieter lokal. Der erste sinnvolle Schritt wäre, die Funktion mit einer unkritischen Besprechung oder einer vorhandenen Audiodatei zu testen und das Transkript mit deinen eigenen Notizen zu vergleichen. Ob die App deine Sprache, Fachbegriffe oder deinen Dialekt zuverlässig erkennt, geht aus den Quellen nicht hervor.

    Beim Arbeitsagenten solltest du zunächst auf eng begrenzte, überprüfbare Aufgaben setzen, sobald dein Unternehmen Zugang erhält. Terminplanung oder das Zusammenstellen vorhandener Informationen lassen sich leichter kontrollieren als ein Auftrag mit weitreichenden Änderungen in mehreren Systemen. Da Gemini Handlungen protokollieren soll, kannst du prüfen, ob der sichtbare Ablauf tatsächlich zu deinem Auftrag passt.

    Fortgeschrittene Nutzende können mehr herausholen, indem sie passende Dateien, Projekte und interne Werkzeuge gezielt verbinden und komplexe Ziele in klar abgegrenzte Zuständigkeiten aufteilen. Die Möglichkeit, Modelle auszuwählen und Unteragenten einzusetzen, schafft zusätzliche Flexibilität. Sie erhöht zugleich den Kontrollbedarf, denn eine zentrale Oberfläche macht nicht automatisch jede ausgeführte Aktion richtig.

    Für Schweizer Unternehmen bleiben wesentliche praktische Fragen unbeantwortet. Die Quellen nennen keine Preise, keine konkrete Verfügbarkeit in der Schweiz, keine Sprachabdeckung und keine Angaben dazu, wo Cloud-Daten verarbeitet werden. Die lokale Arbeitsweise von Foresight reduziert zwar die Übertragung von Meeting-Inhalten nach Angaben des Anbieters, ersetzt aber keine Prüfung der eingesetzten Geräte, Zugriffsrechte und betrieblichen Vorgaben.

    Google zeigt mit beiden Produkten zwei plausible Richtungen für KI am Arbeitsplatz: Der Gemini-Agent verbindet möglichst viele Systeme und übernimmt Arbeit, während Foresight sensible Inhalte möglichst auf dem Gerät belässt. Der Nutzen liegt in weniger manuellen Zwischenschritten und besser zugänglichen Gesprächsnotizen. Offen bleibt, wie zuverlässig die Werkzeuge ausserhalb kontrollierter Vorführungen arbeiten und wie viel Kontrolle Nutzende über umfangreiche Agentenaufträge tatsächlich behalten.

    Quellen

    AI-FunghiAI-Funghi

    Bild: freestocks.org via Pexels

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