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  • Frustrated user facing repeated AI coding errors and a Pro upgrade promptWhen an AI suddenly makes more mistakes while a better paid Pro mode is being promoted.

    Nur einmal Pro. Damit es endlich ein Ende hat.

    Ich arbeite schon länger mit einer KI. Sie bietet verschiedene Modelle und Einstellungen an, mit denen sich bestimmen lässt, wie lange und wie gründlich sie über eine Aufgabe nachdenkt. Pro gilt als die beste Variante, lässt sich aber nur begrenzt nutzen. Wer danach weitermachen möchte, muss zusätzliche Nutzung kaufen. Deshalb benutze ich Pro nicht. Ich arbeite mit der Einstellung „sehr hoch“. Damit bekomme ich dauerhaft gute Ergebnisse und komme mit meinen Projekten voran. Eines davon ist ein Programmierprojekt. Es geht um Code, der nicht nur überzeugend aussehen, sondern funktionieren muss.

    Dann kommt eine Verbesserung. Ein neues, ultimativ geniales Denkmodell, das alle bisherigen Modelle in den Schatten stellen soll. Angeblich. Zum Testen verfügbar im Pro-Modus. Interessant ist, was ich ab diesem Zeitpunkt bei meiner bisherigen Einstellung beobachte. Die Ergebnisse sehen zunächst weiterhin gut aus. Die Erklärungen klingen überzeugend. Auf den ersten Blick scheint alles zu passen. Nur hat der Code plötzlich immer wieder diese „kleinen“ Fehler. Keine Geschmacksfragen, sondern konkret feststellbare Fehler, wegen denen etwas nicht funktioniert. Also erkläre ich den Fehler. Die KI korrigiert. Ich prüfe. Wieder stimmt etwas nicht. Also erkläre ich erneut, lasse korrigieren und prüfe wieder. Aus der Arbeit am Projekt wird ein beinahe endloses Ping-Pong über Dinge, die eigentlich längst funktionieren sollten. Direkt vor der Veröffentlichung des neuen Super-Duper-Modells habe ich das nicht so erlebt. Naja. Vielleicht ist das meine subjektive Wahrnehmung. Vielleicht gibt es eine technische Erklärung, die ich nicht kenne. Die einzelnen Fehler kann ich feststellen. Weshalb sie sich für mich plötzlich so häufen, weiss ich nicht. Irgendwann denke ich trotzdem: Dann mache ich diese Aufgabe halt einmal mit Pro. Nicht, weil ich unbedingt das Neueste ausprobieren möchte. Ich möchte endlich weiterkommen, statt immer wieder an derselben Stelle zu stehen.

    Parallel arbeite ich an einem anderen Projekt. Dabei geht es um einen Ablaufplan für eine Präsentation. Auch das hat vorher mit „sehr hoch“ problemlos funktioniert. Doch nun werden immer wieder Dinge missverstanden. Nicht dramatisch, denke ich zunächst. Ich erkläre das betreffende Detail noch einmal, dann geht es weiter. Nur bleibt es nicht bei diesem einen Detail. Ich erkläre, präzisiere und korrigiere. Wieder und wieder. Bis ich mich auch bei dieser vergleichsweise einfachen Aufgabe dabei ertappe, wie ich denke: Hm. Soll ich einfach einmal Pro nehmen, damit es endlich ein Ende hat?

    Und genau da wird mir bewusst, wie perfide ein solches System gestaltet sein könnte. Man müsste mich gar nicht davon überzeugen, dass ich etwas Besseres brauche. Es würde möglicherweise reichen, dass das bisher ausreichend Gute plötzlich so mühsam wird, dass ich selbst nach dem kostenpflichtigen Ausweg suche. Ich würde nicht aus Begeisterung wechseln. Ich würde wechseln, weil ich von den Korrekturschleifen genug habe. Natürlich nur einmal. Nur für diese Aufgabe. Nur, damit ich endlich weiterarbeiten kann. Und bei der nächsten Aufgabe? Noch einmal? Und danach wieder? Bis ich mich daran gewöhnt habe, dass vernünftiges Weiterkommen eben Pro braucht? Vielleicht würde ich irgendwann sogar selbst erklären, dass „sehr hoch“ halt nicht mehr ausreicht. Das neue Modell sei einfach so unglaublich viel besser. Dabei hätte ich die andere Frage längst aus den Augen verloren: Weshalb reicht plötzlich nicht mehr, was kurz vorher noch gereicht hat? Vielleicht müsste der neue Super-Duper-Modus gar nicht genial perfekt sein. Vielleicht würde es schon genügen, wenn die bisherige Alternative im entscheidenden Moment schlechter wäre.

    Oder nehmen wir eine andere Variante dieses Gedankenspiels: Es wäre gar keine Absicht gewesen. Nur eine kleine Unachtsamkeit. Irgendwo hätte jemand etwas an der falschen Stelle geändert. Ein Mitarbeiter vielleicht. Oder ein KI-Bot-Mitarbeiter, den es als Menschen überhaupt nie gegeben hat. Eine bedauerliche Fehlkonfiguration. Unglücklicherweise genau während der Einführung des neuen Pro-Modells. Und falls jemand diese Veränderung nachweisen könnte? Falls die Sache auffliegen würde? Dann könnte man später vielleicht lesen: „Der verantwortliche Mitarbeiter ist nicht mehr in unserem Unternehmen tätig.“ Na dann. Problem gelöst. Ob dieser Mitarbeiter je existiert hätte, wer die Änderung freigegeben hätte und wem sie zwischenzeitlich genutzt hätte, wäre damit natürlich noch nicht beantwortet. Aber die Geschichte hätte erst einmal einen Schuldigen und einen Schluss.

    Dass digitale Angebote manipulativ gestaltet werden können, ist jedenfalls nicht bloss eine Erfindung dieses Gedankenspiels. Die OECD beschreibt unter dem Begriff „Dark Commercial Patterns“ Praktiken, die Nutzer lenken, täuschen oder zu Entscheidungen drängen können, die nicht in ihrem Interesse liegen.[1] Das belegt keine absichtliche Verschlechterung einer KI. Es zeigt lediglich, dass die grundsätzliche Frage nach manipulativer Gestaltung berechtigt ist. (OECD)

    Ich weiss nicht, was hinter meinem Erlebnis steckt. Ich habe keinen Nachweis dafür, dass ein Anbieter absichtlich etwas verschlechtert hat. Was ich aber bemerkt habe, ist mein eigener Gedanke: Ich wollte plötzlich etwas nutzen, das ich vorher bewusst nicht genutzt hatte. Nicht, weil mich die versprochene Verbesserung überzeugt hätte, sondern weil ich hoffte, damit die Probleme loszuwerden.

    Hinweis: Dieser Beitrag schildert persönliche Erfahrungen und Wahrnehmungen des Autors und enthält seine freie Meinungsäusserung. Die daraus entwickelten Szenarien über Manipulationsabsichten, interne Unternehmensabläufe und verantwortliche Mitarbeiter sind hypothetisch und satirisch zugespitzt. Etwaige Ähnlichkeiten dieser erdachten Szenarien und Figuren mit tatsächlichen Vorgängen, realen Unternehmen oder menschlichen beziehungsweise digitalen Mitarbeitern sind kein Nachweis dafür, dass sich solche Vorgänge tatsächlich ereignet haben.

    Vielleicht hast du selbst schon etwas Ähnliches erlebt. Etwas funktioniert plötzlich schlechter, während eine teurere Alternative bereitsteht. Denk einmal darüber nach: Was hast du tatsächlich beobachtet, und was vermutest du nur? Könnten kleine, kaum bemerkbare Veränderungen dich nach und nach zu einer Entscheidung bewegen, die du vorher gar nicht treffen wolltest? Nicht jede Verschlechterung ist Manipulation. Aber woran würdest du erkennen, wenn sie es wäre?

    Quellen

    [1] OECD. (2022). Dark commercial patterns (OECD Digital Economy Papers, Nr. 336). OECD Publishing. DOI: 10.1787/44f5e846-en. Abrufdatum: 06.09.2026. Die Quelle behandelt manipulative digitale Gestaltung allgemein, nicht das hier geschilderte KI-Erlebnis. (OECD)

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