ChatGPT und andere Suchangebote mit Künstlicher Intelligenz (KI) liefern ausformulierte Antworten, statt nur eine Liste von Links anzuzeigen. Für Website-Betreiberinnen, Medien und Content-Schaffende entsteht damit eine zweite Sichtbarkeitsebene neben der klassischen Suche. Wer dort vorkommen will, braucht verständliche Inhalte, aber keine magische Spezialformel.
Warum KI-Sichtbarkeit relevant ist
Bei einer klassischen Suchmaschine konkurrieren Seiten um Plätze in einer Trefferliste. KI-Dienste können dagegen mehrere Quellen zu einer Antwort verdichten und nur einzelne davon nennen oder verlinken. Selbst ein Artikel, der bei Google gut platziert ist, kann deshalb in einer ChatGPT-Antwort fehlen.
Rund um diese Verschiebung entsteht die Generative Engine Optimization (GEO), also die Optimierung von Inhalten für generative Antwortsysteme. Sie ähnelt der Suchmaschinenoptimierung (SEO), die Seiten für klassische Suchmaschinen auffindbarer machen soll. Ein neues Firmenverzeichnis des St. Galler Unternehmens Cohaga soll beispielsweise erfassen, wie Schweizer Firmen in Antworten von ChatGPT, Claude und Gemini erscheinen.
Das Angebot namens ranQ umfasst laut Firmenwebsite mehr als 600’000 Schweizer Firmen. Die Basis bilden Daten aus dem Schweizer Handelsregister, die über den Zentralen Firmenindex Zefix bezogen und täglich abgeglichen werden, ergänzt durch Klassifikationsdaten des Bundesamts für Statistik und öffentlich verfügbare Firmenangaben. Verifizierte Unternehmen können ihr Profil selbst bearbeiten; Preise und nähere Datenschutzbedingungen nennt die Meldung nicht.
Auch die Suchsysteme selbst verändern sich laufend. Eine Auswertung des Anbieters Promptwatch deutet darauf hin, dass ChatGPT Search im August 2026 wesentlich häufiger Suchanfragen auf bestimmte Websites begrenzte. Der beobachtete Anteil solcher Abfragen stieg laut Tracking von zuvor 0,3 bis 0,5 Prozent auf 16 bis 17 Prozent, doch Simon Willison warnt vor einer Überinterpretation: Erfasst wurden nur die automatisiert beobachteten Prompts, und die internen Systemanweisungen von OpenAI sind nicht öffentlich.
Was Inhalte für KI lesbar macht
Ein grosses Sprachmodell, englisch Large Language Model (LLM), verarbeitet und erzeugt Sprache anhand statistischer Muster. Laut der Leitmeldung lesen solche Systeme eine Seite nicht zwingend als vollständigen Artikel. Sie zerlegen Dokumente in sogenannte Chunks, also kleinere Textabschnitte, und wählen daraus Passagen für eine Antwort aus.
Damit wird der einzelne Absatz wichtiger. Die in der Meldung beschriebene „LLM-Readability“ bezeichnet, wie eindeutig ein Text in eigenständige, verständliche Abschnitte zerlegt werden kann. Ein Absatz, dessen Bedeutung nur mit mehreren vorherigen Absätzen verständlich wird, ist für diese Auswahl weniger geeignet.
Der Beitrag zur Lesbarkeit für Sprachmodelle empfiehlt einen klaren Gedanken pro Absatz, überprüfbare Aussagen und möglichst weniger als 250 Wörter. Die Kernaussage soll im ersten Satz eines Absatzes stehen; die wichtigste Information des gesamten Dokuments möglichst innerhalb der ersten 350 bis 400 Wörter. Das sind redaktionelle Empfehlungen aus GEO-Projekten, keine unabhängig bestätigten Ranking-Regeln von OpenAI.
Für Menschen sind viele dieser Hinweise ebenfalls vernünftig. Wenn du einen Ratgeber über eine Buchhaltungssoftware schreibst, sollte ein Absatz direkt sagen, welche Aufgabe die Funktion löst, bevor Beispiele und Einschränkungen folgen. Bei einem Firmenprofil sollten Name, Tätigkeit und öffentlich überprüfbare Stammdaten nicht erst nach einer langen Unternehmensgeschichte auftauchen.
Struktur allein garantiert jedoch keine Erwähnung. Eine KI-Suche kann Quellen abhängig von Produktversion, Anfrage und nicht einsehbaren Regeln anders auswählen. Promptwatch berichtete im gleichen Zeitraum zudem, ChatGPT verwende Reddit offenbar seltener; Willison konnte eine entsprechende Änderung der Systemanweisungen aber nicht bestätigen.
Was du konkret verbessern kannst
Schritt 1: Prüfe einzelne Absätze
Lies jeden wichtigen Absatz ohne seinen unmittelbaren Kontext. Er sollte erkennen lassen, worum es geht, welche Aussage gilt und worauf sie beruht. Unklare Verweise wie „diese Lösung“ oder „dadurch“ ersetzt du dort, wo sie ohne den vorherigen Absatz mehrdeutig wären.
Schritt 2: Ordne Antworten vor Erklärungen ein
Setze die Kernaussage an den Anfang und liefere danach Belege, Beispiele und Grenzen. Das hilft nicht nur möglichen KI-Auszügen, sondern auch Leserinnen und Lesern, die eine Seite überfliegen. Lange Einleitungen, die das eigentliche Thema aufschieben, haben in beiden Fällen wenig Nutzen.
Schritt 3: Stärke überprüfbare Angaben
Halte Firmenprofile, Produktbeschreibungen und redaktionelle Seiten konsistent. Für ein Schweizer Unternehmen kann dazu gehören, öffentlich verfügbare Stammdaten im Firmenverzeichnis zu kontrollieren und ein Profil nach der vorgesehenen Verifizierung zu ergänzen. Das belegt noch nicht, dass ChatGPT die Firma häufiger nennt, schafft aber eine klarere Informationsgrundlage.
Schritt 4: Miss, ohne Scheingenauigkeit zu erwarten
Teste wiederkehrende, realistische Fragen in den für dein Publikum relevanten Diensten und protokolliere, welche Quellen genannt werden. Einzelne Antworten sind keine stabile Rangliste. Selbst aggregierte GEO-Auswertungen erfassen nur einen Ausschnitt und können Änderungen anzeigen, ohne deren Ursache sicher zu erklären.
- Wähle fünf bis zehn zentrale Seiten oder Firmenprofile aus.
- Formuliere typische Informationsfragen, die zu diesen Inhalten passen.
- Prüfe, ob Kernaussagen, Belege und Bezeichnungen in jedem wichtigen Absatz verständlich sind.
- Halte Antworten und Quellenangaben zu verschiedenen Zeitpunkten fest.
- Überarbeite unklare Inhalte, ohne unbelegte Behauptungen oder künstliche Wiederholungen einzubauen.
Pro und Kontra von GEO
Pro:
- Bessere Verständlichkeit – Eigenständige Absätze und frühe Kernaussagen helfen meist auch menschlichen Leserinnen und Lesern.
- Zusätzliche Auffindbarkeit – GEO berücksichtigt, dass Menschen Informationen zunehmend direkt in ChatGPT, Claude, Gemini oder Googles KI-Angeboten suchen.
- Überprüfbare Präsenz – Wiederkehrende Tests und gepflegte Profile können zeigen, wo Informationen fehlen oder widersprüchlich sind.
- Mehrere Zugangswege – Neben KI-Zitaten können Funktionen wie Googles bevorzugte Quellen bestehende Leserbindungen stärken.
Kontra:
- Undurchsichtige Regeln – Anbieter legen weder alle Auswahlmechanismen noch ihre internen Systemanweisungen offen.
- Schwankende Ergebnisse – Produktänderungen können Quellengewichtungen verschieben, ohne dass eine Website selbst geändert wurde.
- Fragwürdige Versprechen – Beobachtete Zusammenhänge werden im GEO-Markt leicht als sichere Erfolgsrezepte verkauft.
- Zielkonflikt beim Zugriff – Wer KI-Bots vom Kopieren ausschliesst, kann zugleich die maschinelle Verfügbarkeit der eigenen Inhalte begrenzen.
Dieser Zielkonflikt zeigt sich bei Shieldfont. Die von einem Designer und einem Copywriter vorgestellte Schrift nutzt Ligaturen, also typografische Verbindungen mehrerer Zeichen, und soll KI-Werkzeuge daran hindern, brauchbare Trainingsdaten aus Websites zu extrahieren. Hintergrund ist Scraping, das automatisierte Auslesen öffentlich erreichbarer Webinhalte durch Bots, teilweise trotz eines ausdrücklichen Widerspruchs der Betreiberinnen und Betreiber.
Der Bericht über Shieldfont beschreibt den Ansatz als Schutzschicht gegen unerwünschte Trainingsdatenerfassung. Seine Wirksamkeit und die Folgen für Auffindbarkeit, Barrierefreiheit oder unterschiedliche KI-Suchen werden in der vorliegenden Quelle jedoch nicht unabhängig geprüft. Sichtbarkeit und Schutz vor maschineller Nutzung sind deshalb keine automatisch vereinbaren Ziele.
Was das für deine Praxis heisst
Wenn du einsteigst, brauchst du zunächst kein kostenpflichtiges GEO-Werkzeug. Nimm eine wichtige Seite, stelle die Kernaussage in die ersten Sätze und prüfe jeden Absatz auf einen klaren thematischen Fokus. Danach kannst du mit einigen typischen Anfragen beobachten, ob und wie deine Inhalte genannt werden.
Wenn du bereits SEO betreibst, kannst du mehr herausholen, indem du KI-Erwähnungen getrennt von klassischen Platzierungen dokumentierst. Vergleiche mehrere Dienste und Zeitpunkte, statt aus einer einzelnen ChatGPT-Antwort eine Regel abzuleiten. Für Schweizer Firmen kann ein überprüftes Verzeichnisprofil ein zusätzlicher Kanal sein, während die Quelle keine Angaben dazu macht, wie gut Schweizer Sprachvarianten oder mehrsprachige Inhalte in den gemessenen Antworten berücksichtigt werden.
Verlage und andere regelmässig publizierende Websites erhalten zudem einen direkteren Hebel bei Google. Mit der Schaltfläche „Preferred Sources“ können Leserinnen und Leser eine Website als bevorzugte Quelle markieren, damit sie in Google Search, Discover und Google News häufiger hervorgehoben wird. Laut Googles Angaben zur Funktion waren im Mai bereits mehr als 345’000 unterschiedliche Quellen ausgewählt worden; frühere Untersuchungen des Unternehmens ergaben, dass bevorzugte Quellen, sofern verfügbar, etwa doppelt so häufig angeklickt werden.
Ein praktisches Beispiel ist ein Fachmedium, das seine Stammleserschaft auf die bevorzugte Quelle hinweist und gleichzeitig klar gegliederte Artikel veröffentlicht. Ein zweites ist ein Schweizer KMU, das öffentlich auffindbare Firmendaten kontrolliert, sein verifiziertes Profil ergänzt und anschliessend typische Fragen in mehreren KI-Diensten testet. Beide Massnahmen verbessern die Informationsbasis, garantieren aber weder eine Nennung noch zusätzlichen Traffic.
Qualität gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil der Anteil mutmasslich KI-verfasster Inhalte wächst. Eine Pew-Auswertung von fast einer halben Million englischsprachigen Seiten fand in einer Stichprobe vom Juli 2026 bei rund 10 Prozent deutliche Hinweise auf KI-Autorenschaft. Nach dem Ausschluss älterer Seiten zeigten 35 Prozent der seit der Veröffentlichung von ChatGPT publizierten Seiten entsprechende Spuren, wie der Bericht zur Studie zusammenfasst.
Diese Werte sind keine sichere Kennzeichnung jedes einzelnen Textes. Das eingesetzte Erkennungswerkzeug kann menschliche Inhalte fälschlich als KI-generiert einstufen; die Studie bezeichnet das Ergebnis deshalb eher als Richtungssignal. Auffindbarkeit sollte folglich nicht durch austauschbare Massenproduktion erkauft werden, sondern durch klare, überprüfbare und nützliche Informationen.
Eine gute GEO-Grundlage unterscheidet sich weniger von sauberer redaktioneller Arbeit, als manche Anbieter vermuten lassen: klare Aussagen, nachvollziehbare Belege und gepflegte Informationen. Offen bleibt, wie stabil solche Massnahmen wirken, weil KI-Suchen ihre Quellenwahl ohne vollständige Transparenz verändern können. Der grösste Fehler wäre daher, menschliche Verständlichkeit einer vermeintlich sicheren Maschinenformel zu opfern.
Quellen
- Warum ChatGPT deine Inhalte ignoriert – und wie du das änderst – t3n, 2026-08-22
- Shieldfont: Wie eine Schrift KI-Bots beim Scraping austrickst – t3n, 2026-08-22
- Cohaga lanciert KI-Firmenverzeichnis – Netzwoche, 2026-08-21
- ChatGPT search now uses the site:operator at scale – Simon Willison’s Weblog, 2026-08-20
- Google gives publishers a new way to fight AI-driven traffic losses – TechCrunch, 2026-08-20
- A third of web pages published since ChatGPT’s launch show signs of AI authorship, study finds – TechCrunch, 2026-08-20


