Microsoft Copilot, ein Assistent mit Künstlicher Intelligenz (KI), wird für private, berufliche und schulische Konten in einer gemeinsamen App gebündelt. Die Umstellung betrifft dich, wenn du bisher Microsoft Copilot, die Microsoft-365-Copilot-App oder beide Angebote verwendest. Sie beginnt weltweit ab Mitte August 2026 auf Mobilgeräten und im Web; Windows und Mac sollen ab Mitte September folgen.
Was führt Microsoft zusammen?
Microsoft verbindet die bisher verbraucherorientierte Copilot-App mit der stärker auf Unternehmen ausgerichteten Microsoft-365-Copilot-App. Die neue Anwendung trägt den Namen Microsoft Copilot und erhält ein überarbeitetes Symbol. Wer bislang beide Apps installiert hatte, soll damit auch die zwei Copilot-Symbole in Taskleiste oder Systembereich loswerden.
Nach Angaben von Microsoft vereint die App Copilot-Chat und Bilderstellung mit Funktionen von Microsoft 365. Persönliche sowie berufliche oder schulische Konten lassen sich innerhalb derselben Anwendung verwenden. Die beschriebene weltweite Einführung startet auf Mobilgeräten und im Web, während die Desktop-Versionen später folgen.
Bestehende Nutzerinnen und Nutzer von Microsoft Copilot sollen samt Chats und Inhalten auf die aktualisierte Version wechseln. Bei der Microsoft-365-Copilot-App nennt Microsoft kleinere Änderungen an der Navigation, ein neues Symbol und zusätzlichen Zugang zum Copilot-Chat. Wer beide Apps verwendet, bekommt die Inhalte in einer App angezeigt, wobei die Daten der verschiedenen Kontotypen getrennt bleiben sollen.
Die Zusammenlegung ist zugleich die Grundlage für eine umfassendere «Super-App». Laut Netzwoche will Microsoft darin künftig Bereiche wie Chat, Cowork, Autopilots und Code bündeln. Cowork steht für die Bearbeitung mehrstufiger Aufgaben; Autopilots sind weitgehend selbstständig arbeitende KI-Agenten, also Systeme, die Aufgaben über längere Zeit verfolgen können.
Microsoft nennt nach eigenen Angaben mehr als 30 Millionen kostenpflichtige Microsoft-365-Copilot-Lizenzen. Auch die Aussage, die durchschnittliche wöchentliche Nutzung liege auf einem ähnlichen Niveau wie bei Outlook und Teams, stammt vom Konzern; wie dieser Vergleich berechnet wurde, ist nicht offengelegt. Die Zahlen sind daher als Anbieterangaben und nicht als unabhängig geprüfter Erfolgsnachweis zu verstehen.
Welche Funktionen verschwinden?
Die neue App übernimmt nicht alles. Bis zum 18. August 2026 entfallen für private Nutzerinnen und Nutzer die KI-generierten Podcasts, Gruppenchats, Deep Research und experimentelle Funktionen aus Copilot Labs. Deep Research bezeichnet eine Funktion für umfangreichere, mehrstufige Recherchen; zahlende berufliche Nutzer können dafür laut Microsoft auf Researcher ausweichen.
Besonders relevant ist der Verlust der Gruppenchats: Bestehende Gesprächsfäden, Nachrichten und Inhalte werden laut den Berichten nicht in die neue App übernommen. Wenn du diese Funktion für eine Lerngruppe oder für die gemeinsame Abstimmung zu einem privaten Projekt eingesetzt hast, steht der bisherige Verlauf nach dem Stichtag dort nicht mehr zur Verfügung. Die Quellen nennen keine automatische Übertragung in ein anderes Microsoft-Angebot.
Von der eigenständigen Copilot-App erzeugte Dateien sollen hingegen zu OneDrive wechseln, Microsofts Onlinespeicher für Dateien. Während der Umstellung können zudem weitere Funktionen zeitweise fehlen. Als Beispiel nennt Microsoft Copilot Health, ohne in den vorliegenden Angaben einen genauen Zeitraum für die Unterbrechung zu nennen.
Auch Mico, die animierte gelbe Figur im Sprachmodus, verschwindet aus Copilot. Die separate Meldung über Mico präzisiert jedoch, dass die Figur nicht vollständig eingestellt, sondern schrittweise auf die Lernplattform Learn Live verschoben wird. Microsoft hatte Mico erst im Oktober zuvor eingeführt, um dem Sprachassistenten mehr Ausdruck und eine eigene Identität zu geben.
Die Bereinigung ist damit mehr als eine optische Überarbeitung. TechCrunch ordnet den Umbau als Eingeständnis ein, dass Microsofts bisherige Copilot-Strategie zu kompliziert war und mehrere Funktionen nicht überzeugten. Zugleich folgt Microsoft einem Branchentrend: Auch andere Anbieter bündeln spezialisierte KI-Werkzeuge stärker in ihren zentralen Chat-Anwendungen.
Wie bleiben Konten und Daten getrennt?
Eine gemeinsame App bedeutet nach Angaben von Microsoft nicht, dass private und berufliche Daten zusammengelegt werden. Du kannst weiterhin zwischen einem persönlichen Microsoft-Konto und einem Microsoft-Entra-ID-Konto wechseln. Microsoft Entra ID ist das Identitäts- und Zugangssystem, das Organisationen für Arbeits- und Schulkonten verwenden.
Chats, Inhalte und weitere Daten sollen innerhalb der App vollständig nach Kontotyp getrennt bleiben. Auch die bestehenden Sicherheits-, Compliance- und Behördenkontrollen für Unternehmen sollen unverändert weiterlaufen. Compliance bezeichnet dabei die Einhaltung gesetzlicher und organisationsinterner Vorgaben. Unabhängig bestätigt sind diese Zusagen in den vorliegenden Quellen nicht.
Für die Schweiz ist vor allem der weltweite Rollout relevant: Die neue App soll damit grundsätzlich auch hier verfügbar werden. Für Unternehmen, Schulen und andere Organisationen ist die angekündigte Trennung von privaten und verwalteten Konten zentral. Die Quellen nennen jedoch weder besondere Regelungen für Schweizer Datenstandorte noch Änderungen bei verfügbaren Sprachen oder landesspezifischen Datenschutzoptionen.
Parallel zur App-Umstellung warnt Microsoft vor einer anderen Schwachstelle: der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) über SMS oder Sprachanruf. Bei 2FA ergänzt ein zweiter Nachweis das Passwort, etwa ein einmaliger Zahlencode. Laut t3n begründet Microsoft seine Warnung mit einer Zunahme von KI-gestütztem Phishing, also täuschend gestalteten Nachrichten oder Anrufen zum Diebstahl von Zugangsdaten.
Microsoft fordert IT-Verantwortliche deshalb auf, auf Passkeys umzusteigen. Ein Passkey ist ein an Gerät oder Konto gebundener Anmeldenachweis, der ein klassisches Passwort ersetzen kann. Diese Empfehlung ist keine neue Funktion der Copilot-App und darf nicht mit der angekündigten Kontentrennung verwechselt werden; sie betrifft jedoch die Sicherheit derselben Microsoft-Konten, über die du Copilot verwendest.
Pro und Kontra der neuen Copilot-App
Pro:
- Weniger App-Wirrwarr – Private und berufliche Copilot-Funktionen liegen künftig in einer Anwendung statt hinter zwei ähnlich aussehenden Symbolen.
- Kontowechsel bleibt möglich – Du kannst persönliche sowie berufliche oder schulische Konten in derselben App nutzen, ohne dass Microsoft deren Daten vermischen will.
- Bestehende Inhalte ziehen teilweise mit – Chats und Inhalte der regulären Apps sollen übernommen und erzeugte Dateien aus der eigenständigen App zu OneDrive verschoben werden.
- Kernfunktionen bleiben kostenlos – Microsoft will die grundlegenden Copilot-Funktionen weiterhin gratis anbieten, auch wenn sich Nutzungslimits ändern können.
Kontra:
- Inhalte gehen verloren – Gruppenchats, Nachrichten und zugehörige Inhalte werden nach dem 18. August nicht in die neue App übertragen.
- Weniger Funktionen für Privatkonten – Podcasts, Deep Research und Copilot-Labs-Experimente fallen weg, während der Ersatz für Deep Research zahlenden beruflichen Nutzern vorbehalten bleibt.
- Übergang mit Lücken – Weitere Angebote wie Copilot Health können während der Einführung zeitweise nicht verfügbar sein.
- Offene Nutzungsgrenzen – Die Kernfunktionen bleiben zwar kostenlos, doch Microsoft weist auf möglicherweise veränderte Limits hin, ohne sie in den vorliegenden Angaben zu beziffern.
Was heisst das für dich?
Für Einsteiger: Prüfe zuerst, welche Copilot-App und welchen Kontotyp du tatsächlich verwendest. Wenn du nur gelegentlich Fragen stellst oder Bilder erstellst, dürfte die wichtigste Veränderung die gemeinsame Oberfläche sein. Verwendest du Gruppenchats, solltest du berücksichtigen, dass deren Gesprächsfäden und Inhalte nach dem genannten Stichtag nicht übernommen werden.
Ein konkretes Alltagsbeispiel ist die parallele Nutzung eines privaten und eines schulischen Kontos. Statt zwischen zwei Apps zu wechseln, kannst du beide künftig in Microsoft Copilot auswählen; die jeweiligen Chats sollen getrennt bleiben. Damit wird die Bedienung einfacher, aber die Auswahl des richtigen Kontos bleibt entscheidend, bevor du persönliche oder schulische Inhalte eingibst.
Für Fortgeschrittene: Achte neben der Oberfläche auf die verschobenen Funktionsgrenzen. Wenn du Deep Research beruflich für umfangreichere Recherchen verwendet hast, kommt Researcher nur als Ersatz infrage, sofern du zu den zahlenden professionellen Nutzern gehörst. Unternehmen können zudem von der geplanten Auswahl verschiedener KI-Modelle profitieren, wobei Microsoft Qualität, Geschwindigkeit, Kosten und Compliance als Auswahlkriterien nennt.
Ein berufliches Beispiel ist die Arbeit mit Copilot-Chat und Microsoft-365-Inhalten innerhalb derselben Anwendung. Du kannst zwischen persönlichem Microsoft-Konto und verwaltetem Arbeitskonto wechseln, ohne zwei Programme offen zu halten. Die bequemere Oberfläche ändert allerdings nichts daran, dass du den Kontokontext kontrollieren und die Sicherheitsvorgaben deiner Organisation einhalten musst.
Die Zusammenlegung macht Copilot übersichtlicher und beseitigt eine unnötige Trennung zwischen privater und beruflicher Nutzung. Gleichzeitig zeigt die Streichliste, dass Microsoft seinen KI-Assistenten nicht einfach erweitert, sondern wenig erfolgreiche Angebote zurücknimmt. Offen bleibt, wie reibungslos die Migration verläuft, welche kostenlosen Nutzungslimits gelten und ob die zugesagte Trennung der Kontodaten im Alltag ebenso klar erkennbar bleibt wie in Microsofts Ankündigung.
Quellen
- Microsoft kills off unsuccessful AI features while merging its separate Copilot apps – TechCrunch, 2026-08-13
- Microsoft is combining its Copilot apps ahead of a ‘super app’ – The Verge, 2026-08-13
- Microsoft will Copilot zur Super-App ausbauen – Netzwoche, 2026-08-13
- Microsoft’s Clippy-like Mico character is no longer the face of Copilot – The Verge, 2026-08-13
- 2-Faktor-Authentifizierung: Darum warnt Microsoft jetzt vor dem Code via SMS – t3n, 2026-08-13


