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  • Google will den Discover-Feed mit Künstlicher Intelligenz (KI) anpassbar machen: Du beschreibst einem Chatbot, welche Inhalte du häufiger oder seltener sehen möchtest. Das betrifft nicht nur Leserinnen und Leser, sondern auch Medien und kleine Unternehmen, deren Inhalte von Feeds, Suchmaschinen und KI-Antworten ausgewählt werden. Auffindbarkeit bedeutet damit zunehmend, nicht bloss in einer Trefferliste aufzutauchen, sondern von einem System als passende Quelle berücksichtigt zu werden.

    Was sich bei Google ändert

    Google Discover empfiehlt Artikel anhand deiner Aktivitäten in der Google-Suche und anderen Google-Apps. Laut der Ankündigung zur neuen Discover-Funktion sollst du den Feed künftig über das Drei-Punkte-Menü in eigenen Worten anpassen können. Eine Oberfläche im Stil eines Chatbots bestätigt deine Wünsche, nennt die Arten von Inhalten, die sie priorisieren will, und lässt dich weitere Angaben ergänzen.

    Anschliessend kannst du den Feed aktualisieren, damit die Änderungen wirksam werden. Google sagt zudem, dass das System deine Präferenzen für spätere Besuche speichern soll. Die Funktion sollte laut Meldung in den folgenden Tagen in der Google-App eingeführt werden; eine genaue Aufschlüsselung nach Ländern oder Sprachen enthält die Quelle nicht.

    Ein konkretes Alltagsbeispiel: Wenn dein Discover-Feed zu viele Beiträge über ein Thema zeigt, kannst du Google in natürlicher Sprache mitteilen, dass du davon weniger und von einem anderen Thema mehr sehen möchtest. Natürliche Sprache bedeutet hier, dass du einen normalen Satz formulierst, statt Einstellungen über mehrere Kategorien und Schalter zusammenzuklicken. Ähnliche Möglichkeiten zur KI-gestützten Anpassung gibt es laut Bericht bereits bei YouTube, Instagram, Bluesky und X.

    Auch tägliche Audio-Zusammenfassungen in der Google-News-App für Android sollen personalisierbar werden. Daneben erweitert Google seine Funktion «Preferred Sources», also bevorzugte Quellen: Du kannst bestimmte Medien auswählen, die in «Top Stories», KI-Übersichten und im KI-Modus häufiger berücksichtigt werden sollen. Verlage können dafür neu eine interaktive Schaltfläche direkt auf ihrer Website einbauen.

    Mehr Kontrolle über deinen Feed

    Die Anpassung ist sinnvoll, wenn du Discover bereits verwendest und Empfehlungen gezielter steuern möchtest. Sie ersetzt allerdings nicht die Prüfung einzelner Inhalte: Ein auf deine Vorlieben abgestimmter Feed sagt nichts darüber aus, ob ein Beitrag vollständig, aktuell oder verlässlich ist. Personalisierung verbessert zunächst die Passung, nicht automatisch die Qualität.

    Schritt 1: Interessen genauer beschreiben

    1. Öffne in der Google-App das Drei-Punkte-Menü eines Eintrags im Discover-Feed.
    2. Beschreibe, welche Themen du häufiger oder seltener sehen möchtest.
    3. Prüfe die Zusammenfassung, mit der der Chatbot deine Präferenzen bestätigt.

    Schritt 2: Auswahl korrigieren

    1. Ergänze weitere Angaben, falls Google deinen Wunsch zu breit oder zu eng verstanden hat.
    2. Aktualisiere den Feed über die vorgesehene Funktion.
    3. Beobachte bei späteren Besuchen, ob die gespeicherten Präferenzen tatsächlich zu passenderen Empfehlungen führen.

    Schritt 3: Bevorzugte Quellen festlegen

    1. Nutze die Schaltfläche für bevorzugte Quellen auf einer teilnehmenden Website oder Googles Quellenpräferenzen.
    2. Wähle Medien aus, denen du regelmässig folgen möchtest.
    3. Behandle die Auswahl als zusätzliche Gewichtung, nicht als Garantie, dass jede Antwort diese Quelle enthält.

    Google erklärte im Zusammenhang mit dem Ausbau, dass Nutzerinnen und Nutzer bereits mehr als 345’000 unterschiedliche Quellen ausgewählt hätten. Frühere Untersuchungen des Unternehmens sollen zudem ergeben haben, dass Menschen doppelt so häufig zu einer bevorzugten Quelle weiterklicken, wenn diese verfügbar ist. Diese Angaben stammen von Google und sind in den gelieferten Quellen nicht unabhängig geprüft.

    Warum Sichtbarkeit im KI-Web relevant ist

    Die Veränderung betrifft die gesamte Strecke zwischen einer Frage und einer Website. Klassische Suchmaschinen zeigen eine Liste von Treffern, während generative KI-Systeme, also Dienste, die aus vorhandenen Informationen neue Antworten formulieren, häufig direkt einen zusammenhängenden Text liefern. Quellenlinks können darin vorkommen, müssen aber nicht dieselbe Aufmerksamkeit erhalten wie ein traditionelles Suchresultat.

    Für diese neue Auffindbarkeit hat sich der Begriff Generative Engine Optimization (GEO) etabliert. Gemeint ist die Optimierung von Inhalten für generative Antwortsysteme. Sie lehnt sich an die Suchmaschinenoptimierung (SEO) an, mit der Websites ihre Präsenz in klassischen Suchmaschinen verbessern wollen.

    Wie wenig transparent die Auswahl sein kann, zeigt eine Auswertung automatisiert beobachteter ChatGPT-Suchen. Das Analyseangebot Promptwatch verfolgt Antworten auf festgelegte Eingaben in ChatGPT, Claude und Gemini. Seine Daten deuteten darauf hin, dass der Anteil beobachteter ChatGPT-Hintergrundsuchen mit einem «site:»-Operator, der eine Suche auf eine bestimmte Website beschränkt, Anfang August von zuvor etwa 0,3 bis 0,5 Prozent auf 16 bis 17 Prozent stieg.

    Diese Zahlen gelten nur für die von Promptwatch automatisiert erfassten Eingaben und belegen nicht das Verhalten sämtlicher ChatGPT-Suchen. Auch die technische Ursache blieb unklar. Der Autor vermutete, dass das Suchwerkzeug eher eigene Felder für Suchbegriff, Aktualität und Domains verwendet, statt den Operator direkt einzusetzen. Promptwatch meldete später zudem eine deutlich geringere Nutzung von Reddit, doch eine entsprechende Änderung liess sich nicht bestätigen.

    Für Unternehmen ist der praktische Punkt einfacher als die Technik: Ein KI-Dienst kann seine Quellenwahl verändern, ohne eine öffentliche Rangliste oder eine präzise Erklärung zu liefern. Ein Betrieb kann deshalb sichtbar sein und kurz darauf bei ähnlichen Fragen kaum noch erscheinen. GEO-Messwerte sind Momentaufnahmen, keine Besitzurkunden für einen Platz in der Antwort.

    Pro und Kontra der personalisierten KI-Auswahl

    Pro:

    • Direktere Steuerung – Du kannst deine Interessen in normalen Sätzen ausdrücken, statt nur einzelne Beiträge auszublenden.
    • Mehr Gewicht für vertraute Quellen – Die Auswahl bevorzugter Medien kann deren Beiträge in mehreren Google-Angeboten hervorheben.
    • Passendere berufliche Informationen – Ein gezielter Feed kann Themen aus deiner Branche stärker priorisieren.
    • Neue Auffindbarkeit für kleinere Anbieter – Firmenverzeichnisse und KI-Antworten schaffen neben klassischen Trefferlisten einen weiteren Zugang zu Unternehmen.

    Kontra:

    • Undurchsichtige Auswahl – Die genaue Gewichtung von Interessen, Quellen und Suchschritten bleibt für dich weitgehend unsichtbar.
    • Engerer Blickwinkel – Ein stark auf bestehende Vorlieben abgestimmter Feed kann andere relevante Perspektiven seltener zeigen.
    • Abhängigkeit von Plattformen – Medien und Unternehmen sind von Änderungen abhängig, die Google, OpenAI oder andere Anbieter kurzfristig vornehmen können.
    • Begrenzte Messbarkeit – Beobachtungen einzelner Werkzeuge decken nur bestimmte Eingaben und Zeiträume ab.

    Zur fehlenden Transparenz passt das öffentliche «AI Observatory». Die Plattform analysiert laut einem Bericht über mehr als 24’000 ausgewertete Chats echte Gespräche mit Modellen wie Claude und Gemini. Diese wurden mit Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer aus sieben bestehenden Datensätzen zusammengeführt.

    Das Projekt soll eine unabhängige Ergänzung zu Nutzungsberichten von OpenAI und Anthropic bieten. Seine Analysen fanden Unterschiede zwischen Modellen und Veränderungen über die Zeit sowie mehr sensible Nutzungsweisen, als die Berichte grosser KI-Anbieter erkennen liessen. Das misst nicht direkt die Sichtbarkeit einzelner Websites, unterstreicht aber ein Grundproblem: Aussagen der Plattformbetreiber bilden nicht zwingend das ganze Nutzungs- und Auswahlverhalten ab.

    Was kleine Unternehmen daraus machen können

    Für die Schweiz liefert das St. Galler Unternehmen Cohaga ein konkretes Beispiel. Sein auf KI-Suchen ausgerichtetes Firmenverzeichnis ranQ soll zeigen, ob und wie Unternehmen in Antworten von ChatGPT, Claude und Gemini vorkommen. Laut Firmenwebsite umfasst es mehr als 600’000 Schweizer Firmen und stützt sich unter anderem auf täglich abgeglichene Daten aus dem Schweizer Handelsregister sowie öffentlich verfügbare Firmenangaben.

    Unternehmen können ihr Profil nach einer Verifizierung bearbeiten. Für Einsteiger ist das ein sinnvoller erster Schritt: Prüfe, ob die öffentlich dargestellten Angaben zu deinem Unternehmen korrekt sind, und korrigiere das verifizierte Profil, wenn das Angebot dies erlaubt. Das garantiert keine Nennung durch einen Chatbot, schafft aber eine besser kontrollierbare Datengrundlage innerhalb dieses Verzeichnisses.

    Fortgeschrittene können wiederkehrende, realistische Kundenfragen über mehrere KI-Dienste beobachten und Unterschiede dokumentieren. Werkzeuge wie Promptwatch und ranQ versprechen genau diese Art von Sichtbarkeitsmessung, wobei ihre Resultate nur die jeweils getesteten Eingaben und Systeme abbilden. Entscheidend ist deshalb nicht eine einzelne Rangzahl, sondern ob Angaben bei mehreren passenden Fragen korrekt und konsistent erscheinen.

    Ein Berufsbeispiel zeigt, weshalb das wirtschaftlich relevant wird: Laut dem Carpathia B2B-Monitor 2026 nutzten rund 27 Prozent der Befragten KI für die Produkt- und Lieferantensuche. Bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden waren es 54 Prozent. Die Online-Befragung lief von April bis Juli 2026 und umfasste 146 Personen, weshalb die Werte als Ergebnisse dieser Stichprobe und nicht als vollständiges Bild aller Schweizer Unternehmen zu lesen sind.

    KI-Sichtbarkeit allein entscheidet den Einkauf allerdings nicht. 96 Prozent der Teilnehmenden bewerteten die Verfügbarkeit in Echtzeit im Onlineshop als wichtig oder eher wichtig, und 92 Prozent sagten dasselbe über eine persönliche Ansprechperson. Ein Lieferant muss also nicht nur in einer KI-Antwort auftauchen, sondern weiterhin lieferfähig und erreichbar sein. Der Chatbot kann die Tür zeigen; durchgehen muss das Angebot noch selbst.

    Was noch offen ist

    Für Schweizer Nutzerinnen und Nutzer bleibt zunächst offen, wann die neue Discover-Anpassung in welcher Sprache und in welchem Umfang verfügbar sein wird. Die Meldungen nennen die Google-App und für personalisierte Audio-Zusammenfassungen Android, enthalten aber keine gesonderten Angaben zur Schweiz. Auch zum Umgang mit den gespeicherten Feed-Präferenzen liefern die Quellen keine detaillierten Datenschutzinformationen.

    Ebenso offen ist, wie dauerhaft eine bevorzugte Quelle oder ein gut gepflegtes Firmenprofil die Auswahl beeinflusst. Google spricht von höheren Klickraten für Preferred Sources, während die ChatGPT-Beobachtungen zeigen, wie rasch sich Suchmuster verändern können. Beide Aussagen widersprechen sich nicht direkt, setzen aber unterschiedliche Akzente: Google betont die zusätzliche Kontrolle, externe Beobachter die schwer erkennbare Dynamik im Hintergrund.

    Personalisierbare Feeds geben dir etwas mehr Einfluss darauf, welche Inhalte du siehst, verschieben aber zugleich Auswahlmacht zu Systemen, deren Regeln nur teilweise sichtbar sind. Für kleine Unternehmen wird KI-Sichtbarkeit zu einer Ergänzung von SEO, korrekten Firmendaten und verlässlichem Service, nicht zu deren Ersatz. Das offene Risiko bleibt, dass Plattformänderungen Reichweite und Quellenwahl verändern, ohne dass Betroffene Ursache und Wirkung eindeutig nachvollziehen können.

    Quellen

    AI-FunghiAI-Funghi

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