Google schränkt den kostenlosen Zugang zu Gemini ein, während OpenAI neue Werbung in ChatGPT testet und Texte in der Europäischen Union unsichtbar kennzeichnet. Betroffen sind vor allem Menschen, die KI ohne teures Abonnement für Texte, Bilder, Lernen oder Büroarbeit verwenden. Die drei Änderungen zeigen, welchen Preis kostenlose KI zunehmend hat: weniger leistungsfähige Modelle, mehr kommerzielle Flächen und zusätzliche Kontrollmechanismen.
Was bei Gemini kostenlos wegfällt
Ab dem 9. Oktober sollen Nutzerinnen und Nutzer des kostenlosen Gemini-Plans nur noch auf Gemini Flash Lite zugreifen können. Bisher standen zusätzlich das reguläre Flash-Modell und Gemini Pro zur Auswahl. Laut der Leitmeldung von The Verge wird für Flash künftig mindestens Google AI Plus benötigt, das mit 4,99 US-Dollar pro Monat angegeben wird.
Auch dieses günstige Abonnement wird eingeschränkt: Gemini Pro soll aus AI Plus verschwinden. Der Zugang zum leistungsfähigsten Modell sowie zur erweiterten Denkfunktion «Deep Think» bleibt danach den Abonnements Google AI Pro und Ultra vorbehalten, die laut Bericht 19,99 beziehungsweise 99,99 US-Dollar pro Monat kosten. Google will betroffene AI-Plus-Kundinnen und -Kunden per E-Mail über den Zeitpunkt informieren.
Die Auswahl zwischen niedrigem, mittlerem und hohem Rechenaufwand bleibt für die verfügbaren Modelle erhalten. Ein höherer Aufwand kann das Nutzungslimit allerdings schneller aufbrauchen. Wenn du Gemini bisher kostenlos für längere Zusammenfassungen, anspruchsvolle Vergleiche oder die Überarbeitung eines Geschäftsberichts mit Pro genutzt hast, musst du daher entweder auf Flash Lite ausweichen oder ein teureres Abonnement wählen.
Wie gross der Qualitätsunterschied im Alltag ausfällt, lässt sich aus der Meldung allein nicht ableiten. Flash Lite bleibt für einfache Aufgaben verfügbar, etwa um eine kurze E-Mail zu formulieren oder Stichpunkte zu ordnen. Für komplexere Aufgaben ist jedoch entscheidend, dass nicht nur ein Nutzungslimit sinkt, sondern der Zugang zu zwei Modellen vollständig aus dem Gratisplan verschwindet.
Wo Werbung in ChatGPT auftaucht
OpenAI erweitert sein Werbeangebot um visuelle Anzeigen, die neben Ergebnissen der Bilderzeugung erscheinen. Konkret können Werbebilder eingeblendet werden, während du darauf wartest, dass ChatGPT ein angefordertes Bild fertigstellt. Nach dem Bericht von TechCrunch startet dieses Format zunächst in den USA und mit einer begrenzten Gruppe werbender Unternehmen.
OpenAI gibt an, die Anzeigen klar zu kennzeichnen und die Antworten von ChatGPT nicht durch sie beeinflussen zu lassen. Unabhängig geprüft ist diese Trennung in den vorliegenden Quellen nicht. Gleichzeitig baut das Unternehmen Messwerkzeuge und Partnerschaften aus, mit denen sich Klicks, Kampagnenergebnisse und die Eignung eines Umfelds für eine Marke bewerten lassen.
Die Einordnung des geografischen Umfangs fällt je nach Bericht unterschiedlich aus. t3n schreibt, dass OpenAI bereits seit Anfang Februar 2026 manchen ChatGPT-Nutzerinnen und -Nutzern Werbung zeigt und das allgemeine Werbeprogramm Ende August nach Europa gebracht hat. Der Bericht über die neuen Bildanzeigen beschreibt diese als Erweiterung des bestehenden Angebots, während TechCrunch den anfänglichen Start des visuellen Formats ausdrücklich auf die USA begrenzt. Daraus folgt nicht, dass die Bildanzeigen bereits in Europa verfügbar sind.
Für den Alltag ist die Platzierung bemerkenswert: Die Anzeige erscheint nicht nur am Rand eines allgemeinen Feeds, sondern in einem Moment, in dem du auf ein konkretes kreatives Ergebnis wartest. Wer beispielsweise ein Produktbild für eine Präsentation oder eine Illustration für einen Vereinsflyer erzeugt, könnte daneben eine kommerzielle Botschaft sehen. Ob daraus später Werbung in weiteren Teilen von ChatGPT wird, bleibt offen.
Wie unsichtbare Wasserzeichen wirken
In der Europäischen Union führt OpenAI für geeignete Nutzerinnen und Nutzer von ChatGPT und Codex auf allen Plänen ein unsichtbares Textwasserzeichen ein. Codex ist dabei ein KI-Werkzeug für Programmieraufgaben. Die Einführung soll über mehrere Wochen erfolgen und auf Transparenzvorgaben des EU-Gesetzes über Künstliche Intelligenz (KI) reagieren.
Das Verfahren heisst textGrain. Es fügt weder ein sichtbares Symbol noch einen Hinweis unter dem Text ein, sondern beeinflusst die Wortwahl so, dass ein statistisches Muster entsteht. Dieses Muster bleibt beim Kopieren und Einfügen erhalten und kann mit einem speziellen Detektor sowie einem geheimen Schlüssel erkannt werden. Laut OpenAI enthält es keine Identität der Person, die den Text erzeugt hat.
OpenAI erläutert in seiner offiziellen Darstellung zu den EU-Regeln, wo das Wasserzeichen gilt, wie die Erkennung funktioniert und weshalb zunächst Forschende Zugang zum Detektor erhalten. TechCrunch berichtet ergänzend, dass Entwicklerinnen und Entwickler über die Programmierschnittstelle das Verfahren bei ausgewählten Modellen weltweit einschalten können, es dort aber standardmässig ausgeschaltet bleibt. Für ChatGPT ist die automatische Einführung zunächst auf die EU begrenzt.
Das Wasserzeichen ist kein sicherer Herkunftsnachweis. In einem von TechCrunch beschriebenen internen Test sank die Erkennungsrate von rund 92 auf 66 Prozent, nachdem zehn Prozent der Wörter durch Synonyme ersetzt worden waren. Kurze Passagen, mathematische Antworten und übersetzte Texte sind laut OpenAI ebenfalls schwieriger zu erkennen.
Ars Technica ordnet textGrain deshalb als nützlich, aber leicht störbar ein. Bestehende Ansätze wie SynthID und der Standard der Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA), der die Herkunft digitaler Inhalte dokumentieren soll, könnten mit grundlegenden Kenntnissen umgangen werden. Der Bericht zu den Erkennungsgrenzen betont zudem, dass selbst OpenAIs beste interne Ergebnisse keine vollständige Zuverlässigkeit erreichen.
The Verge weist auf eine weitere Grenze hin: Ein erkanntes Wasserzeichen sagt nichts darüber aus, ob ein Text korrekt ist, wem er gehört oder wie stark ein Mensch daran mitgearbeitet hat. Umgekehrt beweist ein fehlendes Signal nicht, dass ein Text von einem Menschen stammt. Das ist besonders relevant, wenn eine Lehrperson eine Arbeit prüft oder ein Unternehmen die Herkunft eines eingereichten Berichts beurteilen möchte.
The Decoder berichtet, OpenAI habe in internen Vergleichen andere getestete Ansätze wie Googles SynthID erreicht oder übertroffen und wolle die Technologie als Open Source veröffentlichen. Der Bericht nennt zugleich deutliche Unterschiede nach Textlänge und Thema: Bei einer festgelegten Falsch-Positiv-Rate von einem Prozent seien etwa 95 Prozent längerer Passagen zu psychologischen Themen, aber nur rund 80 Prozent kürzerer Passagen erkannt worden. Diese Angaben stammen von OpenAI und sind in den gelieferten Quellen nicht unabhängig bestätigt.
Pro und Kontra der neuen Grenzen
Pro:
- Klarere Herkunft – Maschinenlesbare Signale können Plattformen und ausgewählten Prüfstellen einen zusätzlichen Hinweis auf KI-erzeugte Texte geben.
- Gratiszugang bleibt bestehen – Gemini Flash Lite und werbefinanzierte ChatGPT-Angebote ermöglichen weiterhin eine Nutzung ohne teures Abonnement.
- Unsichtbare Kennzeichnung – Das Wasserzeichen verändert laut OpenAI die allgemeine Textqualität nicht wesentlich und stört den Lesefluss nicht durch sichtbare Etiketten.
- Begrenzter Anzeigenstart – Die neuen visuellen Anzeigen beginnen zunächst in den USA und sollen klar als Werbung gekennzeichnet sein.
Kontra:
- Weniger Modellauswahl – Kostenlose Gemini-Nutzerinnen und -Nutzer verlieren den Zugriff auf Flash und Pro, während auch AI Plus kein Pro mehr enthalten soll.
- Fragile Erkennung – Schon begrenzte Textänderungen, Übersetzungen oder kurze Antworten können das Wasserzeichen deutlich schwächen.
- Kommerzieller Druck – Werbung während der Bilderzeugung kann die Nutzung unruhiger machen und den Wechsel zu kostenpflichtigen Plänen attraktiver erscheinen lassen.
- Gefahr falscher Schlüsse – Ein Wasserzeichen beweist weder Fehlerfreiheit noch Eigentum oder fehlende menschliche Mitarbeit.
Was das für dich heisst
Für Einsteiger: Prüfe zuerst, welche Aufgabe du tatsächlich lösen willst, bevor du ein Abonnement abschliesst. Für kurze Entwürfe, einfache Zusammenfassungen oder das Ordnen von Notizen kann Gemini Flash Lite ausreichen. Wenn du ChatGPT zur Bilderzeugung nutzt, achte darauf, welche Elemente als Werbung gekennzeichnet sind, und trenne Werbeaussagen von der erzeugten Antwort.
Für Fortgeschrittene: Vergleiche anspruchsvolle Aufgaben mit demselben Ausgangstext in den dir verfügbaren Modellen, statt allein aus dem Modellnamen auf die Qualität zu schliessen. Bei beruflichen oder schulischen Texten solltest du ausserdem dokumentieren, welche Teile von dir stammen und wie du KI-Ausgaben überarbeitet hast. Ein Wasserzeichendetektor kann diese Arbeitsdokumentation nicht ersetzen.
Für die Schweiz bleibt die Lage uneinheitlich. Die Quellen nennen keine besondere Schweizer Regelung für die Gemini-Änderungen, und der Start der visuellen ChatGPT-Anzeigen ist zunächst für die USA beschrieben. Da die automatische textGrain-Kennzeichnung ausdrücklich auf die EU begrenzt ist, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten, dass sie auch für ChatGPT-Konten in der Schweiz standardmässig aktiviert wird.
Die Entwicklung betrifft deshalb mehr als einzelne Produktfunktionen: Kostenlose KI wird stärker abgestuft, Werbung rückt näher an die eigentliche Aufgabe und Herkunftssignale werden Teil der Textausgabe. Die Kennzeichnung kann Transparenz verbessern, bleibt aber technisch störbar und eignet sich nicht als alleiniger Beweis. Offen ist vor allem, wie weit Werbung und Wasserzeichen geografisch ausgedehnt werden und wie zuverlässig die Erkennung ausserhalb interner Tests funktioniert.
Quellen
- Google is about to remove free access to Gemini Flash and Pro – The Verge, 2026-10-06
- OpenAI will watermark ChatGPT outputs by default—but only in the EU – Ars Technica, 2026-10-06
- Mehr Werbung in ChatGPT: OpenAI platziert visuelle Anzeigen in seine Bild-KI – t3n, 2026-10-06
- OpenAI will start watermarking ChatGPT’s text in the EU – TechCrunch, 2026-10-05
- OpenAI is adding text watermarking in ChatGPT and Codex – The Verge, 2026-10-05
- OpenAI versieht ChatGPT-Texte mit unsichtbarem Wasserzeichen – The Decoder, 2026-10-05
- OpenAI launches visual ads that appear alongside image generation results – TechCrunch, 2026-10-05
- Our approach to EU text provenance rules – OpenAI, 2026-10-05


Bild: Tim Witzdam via Pexels
